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CDU und SPD in NRW schrumpfen weiter: Grüne wachsen

Parteien

Dienstag, 28. Dezember 2021 - 06:14 Uhr

von Von Dorothea Hülsmeier, dpa

dpa/lnw Düsseldorf. Der Aderlass bei den großen Parteien CDU und SPD in Nordrhein-Westfalen geht weiter. Trotz der verlorenen Bundestagswahl sieht die CDU zumindest in NRW aber einen Hoffnungsschimmer.

Der Mitgliederschwund bei den großen Volksparteien CDU und SPD ist auch 2021 nicht gestoppt worden. In Nordrhein-Westfalen hat nur noch die CDU mehr als 100.000 Mitglieder, die SPD liegt schon unter dieser symbolisch wichtigen Marke. Die kleineren Parteien wie Grüne und FDP wachsen dagegen - wenn auch auf weit niedrigerem Niveau. Vor allem die Grünen haben Grund zur Freude: Sie konnten ihre Mitgliederzahl in NRW seit 2017 auf mehr als 25.000 verdoppeln. Einen bescheideneren Zulauf hat auch Die Linke NRW.

Die SPD verlor von Ende 2020 bis Ende 2021 in NRW weitere rund 5000 Mitglieder und zählt jetzt noch 95.000 Mitglieder. Die „Dynamik“ habe sich 2021 für die Sozialdemokraten im Vergleich zu den Vorjahren etwas verbessert, was auf die erfolgreiche Bundestagswahl und die Neuaufstellung der Parteispitze in NRW zurückzuführen sei, sagt ein Sprecher. Die NRW-SPD will jetzt offensiver um neue Mitglieder werben. Die Corona-Pandemie sei für die Mitgliederwerbung gerade bei der SPD eine große Herausforderung, weil der soziale Umgang fehle, sagt der Sprecher. Der Landesvorstand werde deshalb im Landtagswahlkampf eine veränderte Neumitgliederkampagne fahren, die im Frühjahr vorgestellt werde.

Die CDU NRW verlor im Saldo über das Jahr rund 3760 Mitglieder, verspürt aber nach Angaben ihres Generalsekretärs Josef Hovenjürgen seit kurzem eine Trendumkehr. „Erstmals seit Mai 2020 gibt es im November 2021 einen Mitgliederzuwachs“, sagt er. „Die Neueintritte waren zudem in diesem Jahr überdurchschnittlich weiblich.“ Ende November 2021 hatte die CDU NRW 117 167 Mitglieder, im Jahr zuvor waren es noch 120 928. Fast drei Viertel der Mitglieder (72,9 Prozent) sind männlich.

Knapp 3880 Eintritten standen im gesamten Jahr 5155 Austritte gegenüber. Mehr als 2000 Mitglieder verstarben. Bei der Bundestagswahl Ende September hatten die Christdemokraten mit ihrem Kanzlerkandidaten Armin Laschet ein Desaster erlebt. Überraschend ist, dass die NRW-CDU im Anschluss allein im November 1035 Parteieintritte verzeichnete und erstmals seit Mai 2020 wieder ein positives Monatssaldo von 351 erreichte.

Die Grünenregieren im Bund jetzt mit, und ihre Mitgliederzahl im stärksten Landesverband wurde auch schon zuvor stetig größer. Im Jahr 2021 stieg die Zahl um 5150 auf 25 865. Etwa jedes fünfte Grünen-Mitglied ist unter 30 Jahre alt und 42,6 Prozent sind weiblich.

„Der Zuspruch für uns Grüne ist seit der Bundestagswahl 2017 nahezu ungebrochen“, sagt die Landesvorsitzende und Spitzenkandidatin für die Landtagswahl, Mona Neubaur. Allein in NRW hätten die Grünen ihre Mitgliederzahl seitdem mehr als verdoppeln können. Das sei kein bloßer Zufall. „Wir haben uns als Partei geöffnet, haben Angebote gemacht und um Vertrauen für unsere Konzepte geworben.“ Die Menschen sähen, dass die Grünen „die großen Zukunftsfragen mit der notwendigen Ernsthaftigkeit, aber auch dem gebotenen Optimismus angehen“.

Auch die FDP ist im Bund nun Regierungspartei, und spürt im bevölkerungsreichsten Bundesland Aufwind. Mitte Dezember zählte die FDP knapp unter 20.000 Mitglieder - ein Zuwachs von mehr als 2500 im Vergleich zum Vorjahr. Derzeit hat die Partei den höchsten Mitgliederstand seit den 1990er Jahren.

„Die Freien Demokraten haben in diesem Jahr großen Zuspruch bekommen - sowohl während des Bundestagswahlkampfes, aber auch konstant über das ganze Jahr sind Menschen in die FDP eingetreten, unter anderem um unseren Kurs für eine Verbesserung der Aufstiegschancen gerade mit Blick auf die Folgen der Pandemie zu unterstützen“, sagt Generalsekretär Johannes Vogel. Auch die Ampel-Regierungsbildung in Berlin habe sowohl in der Sache als auch im Stil viele überzeugt, in die FDP einzutreten.

Auch die nicht im NRW-Landtag vertretene Linke wuchs 2021 weiter und gewann mehr als 1170 Neumitglieder hinzu. „Das freut uns natürlich sehr und motiviert uns für die kommende Landtagswahl“, sagt eine Sprecherin. Im Saldo stieg die Mitgliederzahl um 215 auf 8614 (Ende 2020: 8829). Die Linke findet inzwischen Zulauf auch bei jüngeren Menschen. Mehr als 2600 Mitglieder sind unter 30 Jahre alt. In dieser Altersgruppe gewann die Linke mit rund 750 Personen auch die meisten neuen Mitglieder hinzu. Allerdings traten auch viele jüngere Mitglieder wieder aus der Partei aus.

Bei der AfD sank die Zahl der Mitglieder von knapp 5640 auf gut 5300 Mitte Dezember 2021. In der aktuellen Zahl sind 127 Personen noch nicht enthalten, deren Aufnahmeverfahren bis Ende Dezember abgeschlossen werden sollte. Die AfD bereinigte auch in diesem Jahr ihre Kartei und kündigte rund 100 beitragssäumigen Mitgliedern. 48 Mitglieder verlor die AfD in NRW nach Angaben eines Sprechers durch Umzüge in andere Bundesländer. Derzeit verzeichne die Partei einen regen Mitgliederzulauf, der jedoch statistisch erst in 2022 erkennbar sein werde.

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