Caritas zu Tönnies: Konzern-Erfolg durch Ausbeutung

dpa Gütersloh. Der Caritasverband im Kreis Gütersloh hat bei Arbeits- und Corona-Schutzmaßnahmen schwere Vorwürfe gegen den dortigen Schlachtbetrieb Tönnies erhoben. Der Branchenriese in Rheda-Wiedenbrück habe sich „höchst fahrlässig“ verhalten, sagte Caritas-Vorstand Volker Brüggenjürgen der Deutschen Presse-Agentur. Viele der 7000 Beschäftigten in der Produktionsstätte seien Werkvertragsarbeiter, deren teils unzumutbare Arbeits- und beengte Wohnbedingungen schon lange angeprangert würden. Sie hätten die Virusausbreitung begünstigt.

Caritas zu Tönnies: Konzern-Erfolg durch Ausbeutung

Volker Brüggenjürgen, Caritas-Vorstand im Kreis Gütersloh. Foto: Bernd Thissen/dpa/Archivbild

Für den gesamten Kreis Gütersloh mit rund 370 000 Einwohnern verhängte das Land Nordrhein-Westfalen am Dienstag einen Lockdown. Das öffentliche Leben wird bis Ende Juni drastisch heruntergefahren.

„Die Leute werden in Transportern zur Arbeit gekarrt. Sie wohnen, essen, arbeiten immer dicht an dicht“, sagte Brüggenjürgen zur Lage bei Tönnies. Die Schutzmaßnahmen seien völlig unzureichend gewesen. „Man hat die Arbeiter sehenden Auges in dieses Desaster hineingeschickt.“ Seit der vergangenen Woche ist die Produktion des Marktführers nach einem Corona-Großausbruch gestoppt. Mehr als 1550 Beschäftigte wurden inzwischen positiv getestet.

Der Aufstieg zu einem Konzern mit Milliardenumsatz ist nach Worten Brüggenjürgens nur dadurch möglich gewesen, dass Tönnies auf das System mit Werkvertragsbeschäftigten gesetzt habe, die von Subunternehmen deutlich schlechter bezahlt würden als die Tönnies-Stammbelegschaft. Gesellschafter Clemens Tönnies hat vor einigen Tagen Reformen angekündigt.