Dank Corona-Zusatzgeschäft: van Laack macht dicken Gewinn

dpa/lnw Mönchengladbach. Wer Blusen, Hemden und Krawatten verkauft, der hat richtig schlechte Karten in Corona-Zeiten. Eine Firma vom Niederrhein hat dennoch einen dicken Gewinn einfahren können. Grund: Sie hat umgesteuert und ihre Produktpalette erweitert.

Dank Corona-Zusatzgeschäft: van Laack macht dicken Gewinn

Mund-Nasen-Schutz Masken der Firma van Laack werden in der Hand gehalten. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa/Archivbild

Der Hemdenhersteller van Laack ist dank Zusatzgeschäften mit Corona-Schutztextilien sehr gut durch die Pandemie gekommen. Im Geschäftsjahr 2020/21 kletterte der Umsatz von zuvor 56,1 Millionen Euro auf 203,2 Millionen Euro, wie es im Geschäftsbericht der Firma heißt. Das ist in etwa eine Vervierfachung. Der Gewinn vor Steuern schoss sogar fast um das Achtfache nach oben: Waren es im Geschäftsjahr 2019/20 noch 7,4 Millionen Euro gewesen, so waren es 2020/21 55,2 Millionen Euro. Angaben zum Nettogewinn gab es nicht. Tochterfirmen in Vietnam und in Tunesien brachten insgesamt einen zusätzlichen Vorsteuergewinn von sechs Millionen Euro ein. Das Geschäftsjahr endet am 30. April.

Nach Ausbruch der Corona-Pandemie steuerte van Laack schnell um und bot unter anderem Mund-Nase-Stoffmasken an. Firmenchef und Inhaber Christian von Daniels spricht von einem „Ausnahmejahr“: „Das können wir wirtschaftlich nicht wiederholen.“ Es sei gelungen, die Produktion in den Werken in Vietnam und Tunesien rasch umzustellen von Klamotten auf Schutzmasken und Klinik-Kittel. Anfang dieses Jahres schrieb der Staat dann aber das Tragen von FFP2-Masken oder OP-Masken vor. Danach brach die Nachfrage nach den Stoffmasken ein.

Inzwischen hat die Firma aus Mönchengladbach ihre Stoffmasken nach eigenen Angaben weiterentwickelt, Produkte mit höherer Schutzfunktion sollen in den kommenden Wochen auf den Markt kommen. Man könne sie mindestens fünf Mal waschen, ohne dass die hohe Filterleistung sinke. „Es ist ein nachhaltiges Produkt, das die Vermüllung der Straßen mit weggeworfenen FFP2- und OP-Masken hoffentlich beendet.“ Überall wo medizinische Masken vorgeschrieben seien, dürfe man sie tragen, so von Daniels. Bei den alten van-Laack-Masken war dies nicht der Fall.

Drei Viertel des Umsatzes im Geschäftsjahr 2020/21 entfallen auf die Medical-Sparte, also coronabedingte Zusatzprodukte wie Masken und Klinik-Kittel. „Ohne die Medical-Sparte wären Verluste im vergangenen Geschäftsjahr kaum zu vermeiden gewesen“, sagt der Manager.

Zum 1. Mai hatte van Laack in Deutschland 218 Beschäftigte und damit 40 weniger als ein Jahr zuvor. Außerdem arbeiten in dem vietnamesischen Werk 400 Menschen und in Tunesien 700. Das personelle Minus lag unter anderem daran, dass die Firma vier Läden aufgegeben hat. Dieser Schritt sei angesichts zwischenzeitlicher Corona-Schließungen im Einzelhandel unumgänglich gewesen, sagt von Daniels. An anderer Stelle investierte er hingegen in die Firmenpräsenz im stationären Einzelhandel und im Internet: Vor einem Jahr kaufte van Laack den angeschlagenen Modehändler Sør. Seine gut gefüllten Kassen in Corona-Zeiten machten die Übernahme möglich.

Und wie läuft es im klassischen Geschäft des Bekleidungsherstellers? „Wieder etwas besser“, sagt von Daniels. Im ersten Corona-Jahr seien die Hemden kaum gefragt gewesen, nun zögen die Verkäufe an. Business-Hemden und Blusen hätten ein überraschendes Nachfrage-Hoch. „Die Zeiten vom Joggingoutfit im Homeoffice sind vorbei, die Menschen wollen auch daheim wieder schick sein und Hemden oder Blusen tragen.“

Für Aufsehen sorgten Verkäufe von Schutztextilien an das Land NRW im Frühjahr 2020. Der damalige Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) rief ihn Ende März 2020 an, nachdem er von Daniels' Handynummer von seinem Sohn Johannes Laschet bekommen hatte - Laschet junior ist als Mode-Influencer freiberuflich für van Laack tätig. Laschet senior fragte damals nach der Möglichkeit, ob van Laack schnell Schutzausrüstung liefern kann.

Tage später kamen Beamte einer zuständigen Behörde in die Firma und ebneten den Weg für einen Kaufvertrag über 10 Millionen Schutzkittel für 38,5 Millionen Euro. Um Masken ging es hierbei nicht, die wurden bei anderen Firmen bestellt. Im weiteren Verlauf des Jahres 2020 verkaufte van Laack zwei Tranchen über jeweils 1,25 Millionen Stoffmasken an die Polizei von NRW.

Die oppositionelle SPD fand Laschets Kontaktaufnahme zur Firma unangemessen. Laschet wies die Kritik zurück - in der damaligen Corona-Situation sei Eile geboten gewesen.

Firmenchef von Daniels betont, dass alle Geschäfte rechtlich sauber abgelaufen seien. Keine andere Firma habe damals so schnell so große Mengen der dringend benötigten Schutzkleidung liefern können. Schwerpunkt seines Medical-Geschäfts seien Verkäufe an die Privatwirtschaft gewesen, etwa an Drogerieketten. Von 130 Millionen verkauften Schutzmasken seien nur circa 4,5 Millionen an staatliche Einrichtungen gegangen, etwa an Polizei und Gefängnisse. Nur ein Viertel des gesamten Firmenumsatzes im Geschäftsjahr 2020/21 sei mit Verkäufen an staatliche Stellen erzielt worden.

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