Das Treffen der Eidgenossen: Gross vs. Fischer

Von Von Jens Marx, dpa

dpa Berlin. Union gegen Schalke. Am Rand zwei Trainer aus der Schweiz. Der eine ist seit 2018 im Amt, der andere seit ein paar Wochen. Der eine schaut auf den Kampf gegen den Abstieg, der andere steckt tief drin.

Das Treffen der Eidgenossen: Gross vs. Fischer

Schalkes Trainer Christian Gross steht am Spielfeldrand. Foto: Guido Kirchner/dpa/Archiv

Urs Fischer sprach mit viel Respekt über seinen Landsmann vom FC Schalke 04. An diesem Samstag laufen sich der Trainer des 1. FC Union Berlin und Christian Gross über den Weg. Immer mal wieder sei das in den Karrieren der beiden passiert, berichtete Fischer. Beide sind Schweizer, beide trainierten schon mal den FC Basel. Beide sind nun in der Bundesliga, der eine dort bestens angekommen, der andere auf einer fast aussichtslosen Kurzmission.

Fischer führte die Eisernen 2019 in die Bundesliga und legte mit den Unionern trotz einer jüngsten Schwächephase eine bereits beachtliche zweite Saison im Oberhaus hin. Gross, der mit 66 Jahren zwölf Jahre älter ist als sein Amtskollege, übernahm den Posten beim fast beispiellos taumelnden FC Schalke 04 unmittelbar nach Weihnachten.

Ein weit gereister Coach, der einst auch nicht mal ein Jahr beim VfB Stuttgart arbeitete, der schon in der Premier League, in Ägypten und Saudi-Arabien als Trainer war. Sechsmal gewann Gross die Schweizer Meisterschaft, fünfmal den Pokal. Und nun: Abstiegskampf der schlimmsten Sorte.

Auf die Frage der Schweizer Boulevardzeitung „Blick“ (Freitag), ob es die schwierigste Aufgabe seiner Trainerkarriere sei, antwortete Gross kurz und bündig: „Ja“. Er habe aber nie in den wenigen vergangenen Wochen darüber nachgedacht, warum er sich das bloß antue. „Ich will das fast Unmögliche möglich machen. Das ist meine Mission“, sagte Gross und erzählte auch, dass es bereits die dritte Anfrage der Gelsenkirchener war, die sich seit einiger Zeit durch schwere sportliche Krisen und einen gehörigen Trainerverschleiß auszeichnen.

Gross ist bereits der vierte Coach der Königsblauen in dieser Saison. Fischer beschrieb seinen Kollegen als einen mit einer „klaren Linie und klaren Haltung, der eine Mischung zwischen hart und menschlich mitbringt“.

Fischer, der als Spieler auch nach eigenem Bekunden immer unzufrieden war und „allen auf den Sack“ ging, ist seit dem Sommer 2018 bei den Unionern. Die Köpenicker spielten damals noch in der 2. Liga. Mittlerweile ist sein Vertrag bis Ende Juni 2023 gültig. „Der Verein und ich wissen, was wir aneinander haben“, betonte Fischer unlängst in einem Interview der „Neuen Zürcher Zeitung“. Union lebe Werte, die auch zu seinen Werten passen würden, erklärte Fischer.

Dazu dürfte auch passen, dass der Schweizer sich in der Union-Hochphase der aktuellen Saison als Dauer-Mahner präsentierte. Auch wenn die Europapokalränge näher als die Abstiegsplätze waren. Fischer richtete den Blick immer nur nach hinten, auf das vor der Saison formulierte Ziel Klassenverbleib.

Nun, vor dem 21. Spieltag, empfangen die Unioner an diesem Samstag (18.30 Uhr/Sky) die Schalker. Beide - und das eint Fischer und Gross auch mal wieder - warten bereits ein paar Spielen auf einen Sieg. Drei Niederlagen in den vergangenen vier Partien, dazu ein Remis haben die Eisernen stagnieren lassen. Mit 29 Punkten haben sie dennoch sage und schreibe 21 mehr als die nun schon wieder seit sechs Spielen (fünf Niederlagen, ein Remis) sieglosen Schalker.

© dpa-infocom, dpa:210212-99-414927/2