NRW

Der Job am Beckenrand: Freibäder suchen noch Saisonkräfte

Freizeit

Samstag, 31. März 2018 - 09:51 Uhr

von Von Fiona Keimeier, dpa

dpa/lnw Köln/Essen. Der Winter hat sich in diesem Jahr hartnäckig gehalten - aber irgendwann kommt sie, die große Freibadsaison. Für die Schwimmbäder in Nordrhein-Westfalen wird das wieder eine knifflige Angelegenheit. Es gibt zu wenige Rettungsschwimmer als Aufsichtspersonal.

Das Schwimmbecken spiegelt sich in der Sonnenbrille einer Bademeisterin wider. Foto: Uli Deck/Archiv

In roten dicken Buchstaben prangt es auf der Internetseite der Essener Bäder: „Personal für die Freibadsaison 2018 gesucht!“ Anderen Schwimmbädern in Nordrhein-Westfalen geht es ganz ähnlich. Noch fehlen vor allem Saisonkräfte - Rettungsschwimmer, die im Freibad alles im Blick behalten. Normalerweise ist das ein klassischer Studenten-Job. „Aber selbst die Studenten haben dafür keine Zeit mehr“, sagt Peter Harzheim vom Bundesverband Deutscher Schwimmmeister. Das Problem gab es auch schon in den vergangenen Jahren.

Beispiel Köln. In der Stadt ist die Deutsche Sporthochschule zu Hause mit entsprechend vielen Sportstudenten. Gelöst sind die Probleme damit aber nicht. „Wir haben zwar in Summe mehr Leute, aber die sind dann meistens im gleichen Zeitfenster verfügbar. Das ist nicht mehr wie vor dem verschulten Studien-System, da hatten viele im Sommer oft ganze drei Monate Zeit“, sagt Franziska Graalmann von den Kölnbädern. Insofern müsse weiterhin mit dem Personal jongliert werden und es könne zu Engpässen kommen. 40 Saisonkräfte werden gebraucht, aktuell sei etwa die Hälfte verpflichtet. Sie gehen aber davon aus, dass sich genügend Rettungsschwimmer für diesen Sommer finden werden - wenn auch kurzfristig. Die Kölner setzen auf gezielte Marketingmaßnahmen, beispielsweise Werbung auf Facebook.

Ähnlich ist die Situation in den Bädern der Stadt Essen. „Das Problem in der Freibadsaison ist jedes Jahr das gleiche“, sagt Sprecher Michael Ruhl. 61 Saisonkräfte, darunter auch Reinigungskräfte und Kassierer, werden gebraucht. Knapp die Hälfte fehlt noch, etwa 25 Rettungsschwimmer sind aktuell zu wenig angemeldet. Die Bewerber sind auch häufig unzureichend qualifiziert. Und alle Bäder in der Region suchen zur selben Zeit dieselben Leute. Die Voraussetzungen für den Job ist ein Rettungsschwimmer-Abzeichen, das nicht älter als zwei Jahre sein darf. Zudem muss der Bewerber mindestens 18 Jahre alt sein.

Claudia Heckmann von der Sportwelt Dortmund ist beim studentischen Nachwuchs optimistischer. „Wir haben hier das Glück, dass wir die Sportstudiengänge haben in Dortmund und auch in Bochum. Da kommen dann viel mehr Leute in Frage, die überhaupt unsere Ansprüche erfüllen.“ Dennoch sieht sie insgesamt keine Entspannung der Lage. „Die ausgebildeten Fachkräfte sind rares Gut. Und das ist umkämpft“, sagt Heckmann.

Bei der Sportwelt Dortmund, die vier Freibäder betreibt, werde auch ausgebildet. Aktuell sind zwei Azubis angestellt. Heckmann sieht in der Ausbildung dasselbe Problem wie in vielen anderen Handwerksberufen: „Das ist eine Konkurrenzsituation zu anderen Ausbildungsberufen. Diese Arbeit ist durchaus anspruchsvoll.“

Was die Versorgung mit Auszubildenden angeht, habe sich die Lage zuletzt verbessert, erklärt Pressesprecherin Franziska Graalmann: Sechs Auszubildende arbeiten aktuell bei den Kölnbädern. Auch für den kommenden Ausbildungsstart im September haben sich weitere sechs gute Bewerber gefunden. Dafür habe es aber auch Kampagnen und sogenannte Lernpartnerschaften gegeben. In Hauptschulen wurde der Beruf beworben.

Maßnahmen wie diese seien nötig, sagt Peter Harzheim vom Bundesverband Deutscher Schwimmmeister: „Man muss den Beruf attraktiver machen! Aber es ist natürlich auch eine Frage der Bezahlung.“


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