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NRW

„Doch nur ein Sabinchen“: Lage normalisiert sich

Wetter

Montag, 10. Februar 2020 - 12:09 Uhr

von Von Marc Herwig, Helge Toben und Rolf Schraa, dpa

dpa/lnw Essen. Leere Bahnsteige, genervte Eltern: Orkan „Sabine“ hat in NRW zwar zum Glück keine allzu großen Schäden angerichtet. Das öffentliche Leben wurde am Montagmorgen trotzdem kräftig durcheinander gewirbelt.

Schulen blieben geschlossen, Pendler mussten improvisieren und die Feuerwehr wurde zu hunderten Einsätzen gerufen - trotzdem hat Sturm „Sabine“ Nordrhein-Westfalen längst nicht so heftig getroffen wie befürchtet. Am Montag kam der Bahnverkehr nach der Orkannacht wieder in Gang, und auch auf den Autobahnen gab es kaum noch Sperrungen durch umgestürzte Bäume. „Sabine war wohl doch nur ein Sabinchen“, schrieb die Stadt Solingen in ihrer Bilanz. Die Erleichterung war vielen Einsatzkräften anzumerken.

Allerdings gab es einige Verletzte durch den Sturm. In einigen Ortschaften fiel der Strom aus. Und die Gefahr ist noch nicht ganz gebannt, denn es gibt neue Sturm-Warnungen. Erst am Dienstagnachmittag soll der Wind deutlich schwächer werden, prognostiziert der Deutsche Wetterdienst.

Vor den größten Problemen standen am Montagmorgen Bahnpendler und Eltern von Schul- und Kindergartenkindern. Etliche Städte hatten den Unterricht an ihren Schulen ausfallen lassen - darunter Köln, Düsseldorf, Dortmund, Essen, Aachen, Mülheim, Gelsenkirchen und Münster. Auch etliche Kindertagesstätten blieben ganz geschlossen oder boten nur eine Notbetreuung an. Viele Eltern mussten kurzfristig Alternativen organisieren oder freinehmen.

Auch Bahnpendler mussten umplanen. Am Morgen kam niemand mit dem Zug zur Arbeit, nachdem der Bahnverkehr in NRW am Sonntagnachmittag komplett gestoppt worden war. Erst im Laufe des Montagvormittags, nachdem 50 Einsatztrupps mit Räumgerät und Kettensägen die Strecken abgefahren waren, schickten die Deutsche Bahn und die Privatbahnen ihre Züge wieder auf die Strecken. Es werde aber noch den ganzen Tag zu Verspätungen aus Ausfällen kommen, sagte eine Bahnsprecherin.

Erstaunlich entspannt war dafür die Lage auf den Autobahnen: 140 Kilometer Stau gab es laut WDR-Verkehrsstudio in Spitzenzeiten - das ist eher wenig für einen Montagmorgen. „Vielleicht arbeiten heute einige von zu Hause aus oder nehmen Urlaub“, spekulierte ein Sprecher der Landesleitstelle der Polizei. Vor allem im Sauerland und der Eifel waren allerdings zahlreiche kleinere Straßen gesperrt.

An den beiden größten NRW-Flughäfen Düsseldorf und Köln/Bonn wurden wegen des Sturms insgesamt 165 Flüge storniert. Vor allem die Entscheidung von Eurowings, während des Sturms fast alle Flüge zu streichen, führte an den beiden großen NRW-Flughäfen zu Annullierungen.

Wie massiv die Schäden in den Wäldern sind, war für den Landesbetrieb Wald und Holz noch unklar. Ein Sprecher warnte aber weiterhin davor, die Wälder zu betreten: Es könnten noch immer Äste herabfallen und Menschen verletzen. Auch mehrere Zoos blieben vorsichtshalber geschlossen, etwa in Köln, Krefeld und Wuppertal.

Die höchste Windgeschwindigkeit in Nordrhein-Westfalen wurde in der Nacht auf Montag auf dem Kahlen Asten (842 Meter) gemessen. Einer Grafik auf Kachelmannwetter.de zufolge war dort eine Orkanböe 137 Stundenkilometer schnell. Dies entspricht Windstärke 12. Orkanartige Böen wurden demnach unter anderem in Wuppertal (111 km/h), Aachen und Werl (beide 106 km/h) registriert.

Die Feuerwehrleute waren vielerorts im Dauereinsatz, landesweit gab es Hunderte Einsätze. In Mülheim an der Ruhr hatten zwei Insassen eines Autos großes Glück: Ein 25 Meter hoher Baum stürzte um und erwischte ihren fahrenden Wagen im hinteren Bereich. „Wäre das Fahrzeug nur eine Sekunde eher an der Stelle gewesen, hätte es wesentlich schlimmer ausgehen können“, berichtete die Feuerwehr.

In Paderborn erlitt ein 16-Jähriger durch einen herabstürzenden Ast Kopfverletzungen. In Essen wurde eine 47 Jahre alte Frau von einer herabstürzenden Schieferplatte leicht verletzt. In Duisburg wurde ein Feuerwehrmann im Einsatz leicht am Auge verletzt.

Die Einsatzkräfte waren nicht nur mit dem Zersägen von Bäumen beschäftigt, die auf Straßen, geparkte Autos oder gegen Häuser gefallen waren. So berichtete die Feuerwehr Essen, dass mehrfach Bauzäune oder Baugerüste gesichert werden mussten - ebenso Baustellentoiletten, ein Pavillon oder Trampoline. Gelockerte oder herabgewehte Dachziegel waren ebenfalls häufig.

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