NRW

Ein Clown vorm Krankenhaus: Unnas Oberjeck

Brauchtum

Mittwoch, 11. November 2020 - 14:22 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa/lnw Unna. Seit mehr als 60 Jahren organisiert Helmut Scherer in Unna rosenmontags seinen bekannten Ein-Mann-Umzug. Das Konzept - Frohsinn fast ganz allein an frischer Luft - passt auch zum 11.11. im Corona-Jahr, findet er - und zog vor ein Krankenhaus.

Karnevalist Helmut Scherer. Foto: Bernd Thissen/dpa

Mit Pauke, Clown-Kostüm und Karnevalsmärschen vom Kassettendeck hat Helmut Scherer - wohl einer der leidenschaftlichsten Narren in der karnevalistischen Diaspora von Unna - vor einem Krankenhaus einen coronakonformen Sessionsauftakt zelebriert. Bekannt ist der 85-Jährige für den nach seiner Überzeugung kleinsten Karnevalsumzug der Welt: Ganz alleine zieht er dafür am Rosenmontag seit mehr als sechs Jahrzehnten durch die Innenstadt von Unna.

Auch den Sessionsauftakt, den er normalerweise mit anderen Jecken im Rathaus der Stadt feiere, hatte sich der Senior nicht „durch dieses Corona“ nehmen lassen wollen, wie er der Deutschen Presse-Agentur sagte. „Ich will gerade an diesem Tag ein wenig Freude verbreiten“, erklärte er. Für seinen pandemietauglichen 11.11. an frischer Luft zog er daher bunt kostümiert durch den weitläufigen Park des Christlichen Klinikums Unna. Begleitet wurde er von seinem „Zeremonienmeister“ Rolf Stöckel, der für ihn das Wägelchen mit schallender Musikanlage schob. „Ich will gerade an diesem Tag ein wenig Freude verbreiten“, sagte Scherer.

Die kam am Mittwoch bei vielen Patienten an: Sie winkten durch die Fenster, auch der ein oder andere Pfleger oder Arzt verfolgte das närrische Treiben mit gebührendem Abstand. Es sei schön, dass er den Patienten an diesem traditionsreichen Tag ein Ständchen bringen könne. „Karneval ohne Musik ist ja so als wenn ich zum Friedhof gehe“, sagte er.

Ein Einmann-Umzug kreuz und quer durch die Stadt war ihm vom Ordnungsamt untersagt worden. „Die hatten die Befürchtung, dass dann über tausend Leute kommen“, sagte Scherer. Soviel seien zwar noch nie da gewesen, aber er plante um.

Das Krankenhaus begrüßte die Aktion, gehört Scherer hier nach Angaben einer Sprecherin doch quasi „zum Inventar“. Er war den Angaben zufolge als Kind mit seiner Tante, einer am Krankenhaus tätigen Ordensschwester, nach Unna gekommen und hatte später zeitlebens verschiedene Hilfstätigkeiten beim Klinikum übernommen und tue es bis heute. Er gelte damit „als dienstältester Mitarbeiter“.

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