NRW

Experiment mit Chaos-Potenzial: Umweltspuren

Verkehr

Montag, 8. April 2019 - 06:12 Uhr

von Von Frank Christiansen, dpa

dpa/lnw Düsseldorf. In dieser Woche ist es soweit: Düsseldorf führt auf zwei wichtigen Verkehrsachsen sogenannte Umweltspuren ein. Wann es genau losgeht, hängt vom Wetter ab. Das bundesweit beachtete Experiment hat Chancen und Risiken.

Autos fahren über die Merowingerstraße. Foto: Federico Gambarini/Archiv

Wenn das Wetter es zulässt, rücken in dieser Woche in Düsseldorf Teams aus, um Fahrbahnen neu zu markieren. Dazu sollte es trocken sein. Auf zwei wichtigen Nord-Süd-Achsen soll je eine von zwei Spuren in jede Richtung zur sogenannten Umweltspur werden. Das Experiment wird bundesweit beachtet und hat neben den Chancen für die Umwelt auch Potenzial für Pendlerfrust und Verkehrschaos.

Die Umweltspuren sollen dazu beitragen, Dieselfahrverbote abzuwenden. Fahren dürfen auf ihnen nur Busse, Fahrräder, Taxis und Autos mit Elektro-Antrieb. Geprüft wird noch, ob später auch Fahrgemeinschaften die Umweltspuren nutzen dürfen.

Das Experiment mit Chaos-Potenzial ist zunächst auf ein Jahr angelegt. Dann wird geprüft, ob die Spuren die Luftwerte verbessert haben. Die Umweltspuren dürften den morgendlichen Weg in die Landeshauptstadt für viele Berufspendler zu einer noch größeren Geduldsprobe werden lassen.

„Die Umweltspuren sind ein erster Schritt, um Fahrverbote für Dieselfahrzeuge zu vermeiden und um die Luftqualität auf besonders stark belasteten Straßenabschnitten zu verbessern“, sagt Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD). „Die autogerechte Stadt ist kein Zukunftsmodell.“

Mehr als 300 000 Menschen kommen werktags aus dem Umland zur Arbeit in die Stadt mit gut 600 000 Einwohnern. Der Pendleranteil liegt damit bei 60 Prozent der Menschen, die in Düsseldorf arbeiten, so das Statistische Landesamt.

Mit breiten Fahrradwegen hatte man bereits vor einiger Zeit die Wege der motorisierten Pendler in die Landeshauptstadt zu Nadelöhren verengt. Nun steht den Autos mit Verbrennungsmotoren noch weniger Raum zur Verfügung. Kilometerlange Rückstaus könnten die Folge sein.

Zu Umweltspuren werden in beiden Richtungen die rechten Fahrspuren der besonders schadstoffbelasteten Merowingerstraße und der Prinz-Georg-Straße, jeweils insgesamt vierspurige Straßen. Kontrollieren soll die Einhaltung der neuen Fahrverbote die Polizei.

Das Verwaltungsgericht Düsseldorf hatte die Bezirksregierung bereits 2016 verpflichtet, „schnellstmöglich“ für die Einhaltung der Stickstoffdioxid-Grenzwerte in Düsseldorf zu sorgen. Fahrverbote für Diesel-Motoren seien dazu ausdrücklich erlaubt. Die will die Landesregierung aber unbedingt verhindern.

Täglich 25 000 Fahrzeuge nutzen die Merowinger-Straße, eine wichtige Nord-Süd-Achse der Stadt. Entsprechend lärm- und schadstoffbelastet ist sie. Die Prinz-Georg-Straße bringt den Verkehr von Norden hinein - über sie rollen 22 000 Fahrzeuge täglich.

Menschen, die das zweifelhafte Vergnügen haben, diese Routen als ihren Arbeitsweg nutzen zu müssen, berichten, die Straßen seien bereits jetzt „brechend voll“ und im Berufsverkehr von langen Rückstaus gezeichnet.


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