NRW

Fall Amad A.: Anwälte zeigen Datenmanipulation an

Kriminalität

Donnerstag, 14. Januar 2021 - 17:51 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa/lnw Düsseldorf. Im Fall des unschuldig inhaftierten und verbrannten Syrers Amad A. haben Rechtsanwälte Strafanzeige wegen des Verdachts der Datenmanipulation in Polizeibehörden erstattet. Der Staatsanwaltschaft Kleve, die gegen Polizisten wegen Freiheitsberaubung ermittelt hatten, seien lückenhafte Datenbankprotokolle vorgelegt worden. Manipulationen in den Datensätzen fehlten darin, berichteten die Anwälte Sven Forst und Eberhard Reinecke am Donnerstag in Köln. Sie vertreten die Eltern von Amad A..

Das Foto zeigt ein beleuchtetes Aushängeschild des Amts- und Landgerichts. Foto: picture alliance / dpa

Die Datenexpertin Annette Brückner sagte, es gebe ein Muster und bis zu zehn weitere Fälle auch in anderen Bundesländern, bei denen der Verdacht bestehe, dass Flüchtlingen über eine datenbanktechnische Verknüpfung von Alias-Namen Straftaten anderer Täter „angehängt“ worden seien. Dieser „Selbstjustiz“ müsse Einhalt geboten werden.

Es sei auch sehr problematisch, dass im Fall Amad A. genau die Polizeibehörden intern ermittelt hätten, in denen Versäumnisse und Fehler zu vermuten seien. Im Fall Amad A. sei dies vor allem das Landesamt für polizeitechnische Dienste (LZPD) in Duisburg. Die Strafanzeige richte sich aber gegen unbekannt.

Der Fall Amad A. beschäftigt auch einen Untersuchungsausschuss des Landtags. Der hellhäutige Syrer war im Juli 2018 wegen eines Haftbefehls eingesperrt worden, der für den Schwarzen Amedy G. aus dem afrikanischen Mali galt. Beide Männer sahen sich nicht ähnlich.

Dennoch saß Amad A. wochenlang in Kleve unschuldig im Gefängnis und legte schließlich in seiner Zelle selbst Feuer, wie die Ermittlungen ergaben. Dabei erlitt er so schwere Verbrennungen, dass er im September 2018 in einer Klinik starb.

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