NRW

Heine-Preis für ukrainischen Autor Juri Andruchowytsch

Dienstag, 18. Oktober 2022 - 17:35 Uhr

von dpa

© arifoto UG/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

Als Zeichen der Solidarität mit der Ukraine wird der ukrainische Lyriker, Schriftsteller und Übersetzer Juri Andruchowytsch mit dem renommierten Heine-Preis 2022 der Stadt Düsseldorf ausgezeichnet. Der mit 50.000 Euro dotierte Preis werde Andruchowytsch an einem Termin rund um Heinrich Heines 225. Geburtstag am 13. Dezember in einem Festakt überreicht, teilte die Stadt am Dienstag mit.

Mit Andruchowytsch ehre Düsseldorf „einen entschiedenen Verfechter europäischer Werte, der sich für eine freie und unabhängige Ukraine mit enger Anbindung an Europa einsetzt“, sagte Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU) mit Blick auf den Angriffskrieg Russlands gegen das Nachbarland Ukraine. Die Auszeichnung erinnere daran, „weiterhin solidarisch mit der Ukraine und der ukrainischen Bevölkerung zu sein“.

Karte

Keller informierte Andruchowytsch telefonisch über die Auszeichnung. „Ich fühle mich geehrt durch so viel Aufmerksamkeit aus Deutschland“, erklärte der 62-jährige Autor. „Jetzt werde ich die Frankfurter Buchmesse als Heine-Preis-Träger besuchen.“

Andruchowytsch sei „einer der führenden ukrainischen Romanciers, Lyriker und Essayisten unserer Zeit“, begründete die Jury die Auswahl. Er übe scharfe Kritik an Übergriffen von Geheimdiensten, Militär und Justiz. Dabei kennzeichneten der Sinn für Ironie und das Groteske sein Werk in bester Heinescher Tradition. Andruchowytsch setze sich „leidenschaftlich für den europäischen Gedanken ein und vertritt die Identität der Ukraine als Kulturnation“, hieß es weiter. „Er erinnert Europa daran, dass Freiheit und Menschenrechte in der Ukraine in vorderster Linie verteidigt werden.“

Andruchowytsch wurde unter anderem durch seine Essays bekannt, in denen er kritisch-ironisch die postsowjetische Realität der Ukraine beschrieb. Unter dem Eindruck der völkerrechtswidrigen Annexion der ukrainischen Schwarzmeer-Halbinsel Krim durch Russland 2014 gab er im selben Jahr den Sammelband „Euromaidan. Was in der Ukraine auf dem Spiel steht“ heraus.

Der mehrfach ausgezeichnete Autor übersetzte auch Gedichte von Rainer Maria Rilke, Prosa von Robert Walser und Boris L. Pasternak sowie Shakespeare ins Ukrainische. 2014 übernahm er die Siegfried-Unseld-Professur für Slawistik und mitteleuropäische Literatur an der Humboldt-Universität in Berlin.

Der alle zwei Jahre verliehene Heine-Preis ist nach dem in Düsseldorf geborenen Dichter Heinrich Heine (1797-1856) benannt. Zu den Preisträgern gehören Carl Zuckmayer, Sebastian Haffner, Walter Jens, Max Frisch, Elfriede Jelinek, Amos Oz und Simone Veil.


Die Kommentarfunktionalität wurde für diesen Artikel deaktiviert.

Das Erzbistum Köln wird gegen seine Mitarbeiterin Hildegard Dahm nach deren Angaben keine arbeitsrechtlichen Schritte einleiten. Dies berichtet der „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Montag). Der für sie zuständige Abteilungsleiter im Erzbischöflichen Generalvikariat habe sie am Freitag in einem persönlichen Gespräch über eine entsprechende Entscheidung des Generalvikars Guido Assmann informiert, sagte Dahm der Zeitung. „Ich bin total erleichtert“, sagte sie demnach. Die Drohung des Erzbistums sei „natürlich nicht spurlos an mir vorübergegangen“. Gründe für das Ergebnis der angekündigten Prüfung seien ihr nicht mitgeteilt worden.