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Historiker: Impfgegner gab es schon im 19. Jahrhundert

Geschichte

Montag, 19. April 2021 - 06:15 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa Köln. Schon im 19. Jahrhundert wurde in Deutschland über eine Impfpflicht und über Nebenwirkungen des Impfens diskutiert. Das hat der Direktor des Kölnischen Stadtmuseums, Mario Kramp, bei Recherchen für ein Buch über Kriegsgefangene im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 herausgefunden. Nach dem deutschen Sieg wurden vor 150 Jahren vorübergehend fast 400 000 französische Gefangene in Deutschland festgehalten. Bis zu 19 000 davon waren in Köln stationiert.

Der Historiker Mario Kramp, Direktor des Kölnischen Stadtmuseums. Foto: Ralf Müller/dpa/Handout

Die Kölner Bürger unternahmen Ausflüge in die Gefangenenlager und bezahlten Eintritt, um die fremden Truppen sehen zu können. Über diesen intensiven Austausch wurde aber auch das Pockenvirus übertragen, das sich in den Gefangenenlagern und dann in der Stadt Köln ausbreitete. Die Behörden appellierten daraufhin an die Bevölkerung, sich „auf der hiesigen Impfanstalt“ impfen zu lassen oder ihre früheren Impfungen aufzufrischen.

Der Stadtrat musste jedoch feststellen, dass die Kölner trotz der Epidemie eine „unverantwortliche Gleichgültigkeit“ an den Tag legten. Ein Stadtverordneter erkundigte sich, ob man keine Impfpflicht einführen könne. Der Bürgermeister antwortete jedoch, dafür gebe es keine rechtliche Grundlage. Befürworter einer Impfpflicht wurden als „Impffreunde“ oder „Impffanatiker“ bezeichnet.

Obwohl die Wirkung der Pockenimpfung längst bewiesen war, gab es viele Impfgegner - selbst in den Reihen der Ärzte. Der Kölner Arzt Dr. Waegener konnte das nicht begreifen: Natürlich gebe es Nebenwirkungen und „zuweilen tödtliche Zufälle“, schrieb er, aber der Nutzen der Impfung sei doch ungleich größer. „Zwischen zwei Uebeln“ sei stets das kleinere zu wählen, so der Arzt. Insgesamt fielen der Pockenepidemie 1871 in Köln knapp 500 Menschen zum Opfer.

Als besondere Attraktion wurden damals übrigens die schwarzen Soldaten aus den französischen Kolonien in Afrika wahrgenommen. „Ihnen begegnete man mit einer Mischung aus Faszination und Rassismus“, sagte Kramp der Deutschen Presse-Agentur. „Einige Kölner äußerten offen, dass diese „Bestien“ doch besser im Zoo aufgehoben wären.“ Andere Kölner und vor allem Kölnerinnen versorgten die Afrikaner dagegen mit Erfrischungen, Kaffee oder Speiseeis, womit sie nationalistisch gesinnte Presseorgane gegen sich aufbrachten.

Begehrt waren die Uniformen der Franzosen, die viel farbenprächtiger waren als die der Preußen. Viele Besucher kauften den gefangenen Soldaten Uniformteile ab. Diese wurden später unter anderem als Karnevalskostüme benutzt.

© dpa-infocom, dpa:210419-99-258145/2

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