Kirchenrechtler Schüller: „Misstrauensvotum gegen Woelki“

dpa Köln. Der Kirchenrechtler Thomas Schüller sieht die von Papst Franziskus angeordnete Apostolische Visitation im Erzbistum Köln als „klares Misstrauensvotum“ gegenüber Kardinal Rainer Maria Woelki. Dem Kardinal traue man in Rom offenbar nicht mehr zu, die von ihm ausgelöste Krise zu bewältigen, sagte Schüller am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Der Papst hatte zuvor angekündigt, die Situation im Erzbistum durch zwei Bevollmächtigte untersuchen zu lassen.

Kirchenrechtler Schüller: „Misstrauensvotum gegen Woelki“

Thomas Schüller, Theologe und Kirchenrechtler. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa/Archivbild

Falls der Visitationsbericht den Eindruck bestätigen sollte, erwarte er, dass es bei Woelki wie vor einigen Jahren bei dem Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst laufen werde: „Zunächst die Einsetzung eines Apostolischen Administrators und später der Rücktritt.“ Tebartz-van Elst war wegen des luxuriösen Ausbaus seiner Residenz in die Kritik geraten. Inzwischen ist er im Vatikan beschäftigt.

Die Apostolischen Visitatoren hätten umfassende Rechte und könnten völlig frei untersuchen, sagte Schüller. Woelki müsse ihnen alle Unterlagen aushändigen, die sie einsehen wollten. Sie könnten auch allein entscheiden, mit wem sie reden, auch wenn dem Kardinal das nicht gefalle. „Sie können aber keine personellen oder anderen sachlichen Entscheidungen für das Erzbistum Köln treffen, wohl aber in ihrem Bericht dem Papst Empfehlungen aussprechen, was nun die nächsten Schritte sein sollten“, erläuterte Schüller.

Beide Visitatoren, der Stockholmer Bischof Anders Arborelius und der Rotterdamer Bischof Hans van den Hende, sprächen gut Deutsch, so dass sie auch direkt mit den Gläubigen reden könnten, sagte Schüller.

„Sollten sich die Vorwürfe im Bereich Aufarbeitung der Fälle von sexuellem Missbrauch und die desaströse Führung der Erzdiözese in pastoralen Fragen bestätigen, wird man dem Erzbischof von Köln den Rücktritt nahe legen“, erwartet der Münsteraner Professor. „Ich sehe bereits jetzt keine gedeihliche Grundlage mehr für ein gutes Miteinander von Kardinal Woelki und den Gläubigen im Erzbistum Köln. Das Tischtuch ist zerschnitten.“

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