NRW

Dombauhütte Köln restauriert Teile aus Notre-Dame

Montag, 24. Oktober 2022 - 15:51 Uhr

von Jonas-Erik Schmidt, dpa

© Oliver Berg/dpa

Es sind nur rund 100 gläserne Quadratmeter - aber im Herzen Frankreichs nehmen sie einen großen Platz ein: Vier Fenster aus der bei einem Brand verwüsteten Pariser Kathedrale Notre-Dame werden momentan in Köln zu neuem Glanz gebracht. Sie befinden sich bei der Kölner Dombauhütte - seit April kümmert man sich dort um die Restaurierung der Glas-Kunstwerke, die bei dem verheerenden Feuer in Mitleidenschaft gezogen worden waren. Am Montag ließen die Verantwortlichen erstmals tiefere Einblicke in die penible Arbeit zu, die als Symbol deutsch-französischer Zusammenarbeit verstanden wird.

Wie der Kölner Dombaumeister Peter Füssenich erläuterte, bestand ein erster Schritt darin, die Fenster von Bleistaub zu säubern. „Die Fenster waren alle mit Bleistäuben belastet durch den Brand des Daches von Notre-Dame. Das war ja ein Bleidach“, sagte er. „Blei ist natürlich ein gesundheitsgefährdendes, giftiges Material.“ Daher sei dafür eine eigene Dekontaminierungsanlage gebaut worden. Diese Arbeit wurde bereits erfolgreich abgeschlossen.

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Nun beginnt nach Angaben der Dombauhütte die eigentliche Restaurierung. Scheiben werden schonend gereinigt, Sprünge im Glas werden verklebt. Auch „das Löten von Brüchen im Bleinetz“ gehört zur Arbeit, ebenso „die Erneuerung der Randbleie“. Nicht nur anhand des speziellen Vokabulars wird klar: Es ist eine durchaus diffizile Arbeit, die in Köln geleistet wird. Die Bedeutung ist ebenfalls allen klar. „Wie der Kölner Dom ein Symbol für Deutschland ist, steht Notre-Dame symbolisch für ganz Frankreich“, sagte Füssenich.

Auch das Ziel ist klar: 2024 sollen wieder Gottesdienste und Besichtigungen in Notre-Dame möglich sein. Nach Angaben des Dombaumeisters ist man in Köln aber gut im Zeitplan. „Wir werden es auf jeden Fall schaffen“, sagte Füssenich. Wahrscheinlich im April könnten die Fenster, die 1965 von dem Glasmaler Jacques Le Chevallier (1896-1987) gestaltet worden waren, in Paris wieder eingebaut werden. Dominiert werden sie von Blau- und Rottönen, die sich an die Farben mittelalterlicher Fenster anlehnen.

In Notre-Dame war es 2019 zu einem verheerenden Feuer gekommen. Die Bilder gingen um die Welt. Das Dach wurde bei dem Feuer fast vollständig zerstört, der sogenannte Vierungsturm stürzte ein. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron versprach danach, Notre-Dame innerhalb der nächsten fünf Jahre wiederaufzubauen.

Aus Nordrhein-Westfalen organisierte sich damals schnell Hilfe. Der damalige Ministerpräsident Armin Laschet rief gemeinsam mit der Deutschen Unesco-Kommission eine Spendenaktion ins Leben. Das Geld sollte allerdings nicht einfach überwiesen werden. Stattdessen sollte etwas Konkretes damit verbunden sein. „Dass die deutschen Stifter auch sagen können: Dafür haben wir Geld gegeben“, erläuterte die frühere Kölner Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner, die auch Koordinatorin für die deutsche Hilfe beim Wiederaufbau von Notre-Dame ist, das Vorhaben. Es mündete schließlich in der Arbeit der Kölner Dombauhütte.

NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU), zugleich deutsch-französischer Kulturbevollmächtigter, schaute sich die Arbeiten am Montag an. Er würdigte sie als „Symbol dafür, dass man große Aufgaben nur gemeinsam schultern kann“. Sein Amtsvorgänger Armin Laschet ordnete es noch einmal anders ein: „Notre-Dame ist für uns hier im Rheinland näher als das Brandenburger Tor.“


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