NRW

Kölner Gefängnis-Video mit Waffe: Aufnahmen schon älter

Justiz

Montag, 18. Januar 2021 - 17:42 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa/lnw Köln. Das womöglich in einer Kölner Zelle entstandene Video eines Gefangenen mit einer Waffe ist nach Erkenntnissen der Polizei schon mehr als eineinhalb Jahre alt. „Nach den polizeilichen Ermittlungen stammt das Video bereits aus März 2019, da der Beschuldigte zu diesem Zeitpunkt in der gefilmten Zelle inhaftiert war und die aus dem Video ersichtliche Kleidung trug“, teilte das NRW-Justizministerium in einem am Montag veröffentlichten Bericht an den Rechtsausschuss des Landtags mit. Ob es sich bei der Waffe um ein scharfes Gerät gehandelt habe, sei aber nicht zu klären gewesen.

Das Video hatte Anfang Dezember für Aufsehen gesorgt. Es war auf einem Twitter-Kanal mit dem Namen „Pulverteufel_LG“ veröffentlicht worden. Zu sehen war, wie ein Häftling allem Anschein nach seine Zelle filmte. Der Titel deutete auf die Justizvollzugsanstalt in Köln hin. In dem Video präsentierte der Mann unter anderem Bargeld und eine Pistole. Bei dem Protagonisten handelte es sich mutmaßlich um einen mittlerweile vom Kölner Landgericht Verurteilten, der in den Medien mitunter als „Pulverteufel“ bezeichnet worden war. 2018 hatte er mit Traubenzucker einen Großeinsatz von Polizei und Feuerwehr im Kölner Justizzentrum ausgelöst.

„Der Beschuldigte ist für seine provokanten Aktionen bekannt“, hieß es nun in dem Bericht an den Landtag. Von seinem Mail-Account sei Anfang Dezember eine Mail unter anderem an einen Richter, die JVA-Leiterin und Journalisten verschickt worden. Darin sei behauptet worden, der Mann habe sich mit Hilfe von JVA-Bediensteten Waffen, Munition und ein Handy beschafft. In einem von ihm verlinkten Beitrag sei zudem vor einem „bewaffneten Aufstand“ in der JVA gewarnt worden. Ferner gab es einen Link zu Filmaufnahmen.

Der damalige Haftraum des Mannes war nach Bekanntwerden des Videos umgehend durchsucht worden. „Inkriminierte Gegenstände“ seien dabe aber nicht entdeckt worden, hieß es in dem Bericht. Zudem sei in der JVA zu keinem Zeitpunkt „eine bevorstehende Meuterei“ festgestellt worden. Ein Ermittlungsverfahren sei eingestellt worden, weil nicht auszuschließen gewesen sei, dass es sich bei der gezeigten Waffe um eine Attrappe gehandelt hatte.

Der Bericht geht allerdings davon aus, dass der Mann einen Helfer hatte, der für die Veröffentlichungen zuständig war. Zudem sei ein Verfahren gegen einen Bediensteten der JVA wegen des Vorwurfs der Bestechlichkeit anhängig. Hintergrund seien die Behauptungen des Beschuldigten, durch Bestechung über Waffen, Munition, Handys und andere Gegenstände verfügen zu können.

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