Kölnerin unter Hausarrest darf für Prozess nach Istanbul

dpa Istanbul/Köln. Die in der Türkei festgehaltene Kölnerin Gönül Örs nimmt trotz Hausarrests an ihrem Prozessauftakt wegen Terrorvorwürfen in der kommenden Woche in Istanbul teil. Sie habe eine Ausnahmegenehmigung erhalten, um die Provinz Manisa zu verlassen und werde bei der Verhandlung am 16. Juni dabei sein, sagte ihre Anwältin Ayse Celik der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag.

Örs (38) sitzt seit Anfang Dezember den Hausarrest bei ihrem Onkel in Manisa ab und muss eine elektronische Fußfessel tragen. Ihr wird Terrorpropaganda für die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK, Freiheitsberaubung unter Gewaltanwendung oder Täuschung und „Entführung oder Beschlagnahmung“ von Beförderungsmitteln vorgeworfen.

Örs hat die deutsche und türkische Staatsbürgerschaft. Hintergrund der Anklage ist eine Protestaktion im Jahr 2012 auf einem Schiff in Köln. In Deutschland wurde nach Angaben der Anwältin eine Ermittlung gegen Örs in diesem Fall eingestellt. Die türkische Ermittlungsakte stütze sich auf damalige Informationen eines BKA-Kontaktbeamten.

Örs ist die Tochter der Kölner Sängerin Hozan Cane (Künstlername), die im November 2018 wegen Mitgliedschaft in einer Terrororganisation zu sechs Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden war. Ende Mai 2019 war Örs in die Türkei gereist, um ihre Mutter in der Haft im westtürkischen Edirne zu besuchen. Sie wurde selbst festgenommen und saß zwischenzeitlich in Istanbul in Untersuchungshaft, die dann in Hausarrest umgewandelt wurde.