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Masernrisiko bei Ukraine-Flüchtlingen: NRW beugt vor

Konflikte

Montag, 14. März 2022 - 18:12 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa/lnw Düsseldorf. Das nordrhein-westfälische Gesundheitsministerium ergreift Vorsichtsmaßnahmen angesichts einer möglichen Tuberkulose- oder Maserngefahr bei Flüchtlingen aus der Ukraine. Gemäß Infektionsschutzgesetz müssten Personen, die in eine Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge aufgenommen werden, routinemäßig ein ärztliches Zeugnis vorlegen, dass bei ihnen keine Anhaltspunkte für eine infektiöse Lungentuberkulose vorlägen, teilte das Ministerium am Montag mit. In den NRW-Landesunterkünften waren mit Stand Montag nach Angaben des NRW-Flüchtlingsministeriums 7150 Kriegsflüchtlinge angekommen.

Die Masern-Impfung ist in einem Impfpass angekreuzt. Foto: Marius Becker/dpa/Archivbild

Zahlen zu Tuberkulose unter den aus der Ukraine geflüchteten Menschen oder Hinweise auf eine erhöhte Infektionsrate lagen nach Angaben des Gesundheitsministeriums nicht vor. Für die Bevölkerung bestehe keine erhöhte Infektionsgefahr im Umgang mit Geflüchteten aus der Ukraine. Durch Einhalten von Basishygieneregeln könne das Infektionsrisiko minimiert werden. Zuvor hatte die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ berichtet.

Tuberkulose (TB) ist eine bakterielle Infektionskrankheit, die meist die Lunge betrifft, aber auch andere Organe angreifen kann. In osteuropäischen Staaten ist sie verbreiteter als in Deutschland. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) entfallen nur 2,9 Prozent der weltweiten Tuberkulose-Fälle auf Europa, betroffen ist vor allem Osteuropa. 2020 gab es in der Ukraine geschätzt rund 32 000 TB-Fälle - in Deutschland waren es rund 4600.

Bei Menschen aus der Ukraine ist nach Angaben des Gesundheitsministeriums etwa in Bezug auf Masern von einer niedrigen Impfquote auszugehen. Wer in in eine Gemeinschaftsunterkunft aufgenommen werden solle, erhalte bei der ärztlichen Eingangsuntersuchung ein entsprechendes Impfangebot. Darüber hinaus arbeite das Land mit den Kommunen an niedrigschwelligen Impfangeboten, um auch privat bei Freunden oder Familie untergebrachte Kriegsflüchtlinge zu erreichen.

Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KVNO) forderte klare Entscheidungen zur ambulanten medizinischen Versorgung der Geflüchteten aus der Ukraine. An erster Stelle müssten Corona- und Masernimpfungen stehen sowie Untersuchungen, mit denen eine Tuberkulose-Infektion ausgeschlossen werden könne, sagte Vorstandschef Frank Bergmann. Es müsse eine einheitliche Regelung geben, welche medizinischen Erstuntersuchungen verpflichtend und welche freiwillig seien.

© dpa-infocom, dpa:220314-99-519595/3

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