NRW

Mehr Alkoholkranke suchen Hilfe in der Pandemie

Gesundheit

Sonntag, 1. November 2020 - 10:31 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa Wuppertal. Suchtberatungsstellen melden in der Corona-Pandemie deutlich mehr Hilfesuchende, zugleich aber eine teils existenzgefährdende Unterfinanzierung. Viele der 1300 Suchtberatungsstellen bundesweit - davon etwa 400 in NRW - stehen finanziell wackelig da, betonte die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS). In der Corona-Krise verschärfe sich die Lage angesichts wachsender Nachfrage und zusätzlicher Kosten. „Es müssen teils größere Räume angemietet und Gruppen geteilt werden, was mehr Personal erfordert. Oft musste digitale Ausstattung aufgebaut werden, ohne dass refinanziert wurde“, schilderte DHS-Vizegeschäftsführerin Christina Rummel der Deutschen Presse-Agentur.

Daniela Ludwig (CSU), Drogenbeauftragte der Bundesregierung, spricht. Foto: Michael Kappeler/dpa/Archivbild

Die Bundesdrogenbeauftragte Daniela Ludwig (CSU) mahnte, auch bei den jüngst beschlossenen weiteren Beschränkungen für November müsse die Versorgung suchtkranker Menschen gewährleistet bleiben. Sie seien in der aktuellen Notsituation besonderen Risiken ausgesetzt, litten häufig an weiteren, teils schweren psychischen und somatischen Erkrankungen. Sie seien auf ein funktionierendes Netz angewiesen.

Gründe für übermäßigen Alkoholkonsum gibt es laut DHS in der Krise viele: „Sorgen, wie es beruflich weitergeht, um die eigene Zukunft oder um die Zukunft der Verwandten spielen eine große Rolle“, sagt Rummel. Psychische Belastungen, Isolation und häusliche Konflikte seien Faktoren. Rückfälligkeit sei ein großes Problem.

Das bundesweit aufgestellte Blaue Kreuz betonte, die Suchtberatung sei systemrelevant und trage auch dazu bei, Folgekosten von Alkoholerkrankungen zu verringern. Dennoch gebe es keine verlässliche Finanzierung. Landesmittel reichten bei weitem nicht aus, und nur wenige Stellen würden von Kommunen unterstützt. „Die Probleme der Hilfesuchenden wachsen“, betonte das Blaue Kreuz Wuppertal. Es seien fatale Folgen zu befürchten, wenn man Angebote einstellen müsste.

Am 4. November soll über einen bundesweiten „Aktionstag Suchtberatung“ für Finanzierung und Zukunftssicherung des Angebots getrommelt werden - unter Schirmherrschaft der Drogenbeauftragten Ludwig. In NRW falle die Unterstützung sehr unterschiedlich aus, erläuterte Mathias Speich vom Paritätischen-Landesverband. Eine flächendeckend einheitliche Versorgung sei nicht gegeben. Laut NRW-Landesstelle Sucht konnte man bisher den meisten Menschen mit Suchtproblemen auch in der Krise helfen, habe dafür viel Lob aus Kommunen und Landespolitik erhalten. Die Finanzierung der ambulanten Suchthilfe sei aber trotzdem „prekär“.

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