NRW

Missbrauchsbeauftragter beklagt sich über „Kölner Wirren“

Kirche

Montag, 22. Februar 2021 - 15:42 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa Köln. Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, hat die Aufarbeitung von sexuellem Kindesmissbrauch im Erzbistum Köln kritisiert. Im „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Dienstag) sprach Rörig von einer „schweren Belastung insbesondere für die Betroffenen und die in der Aufarbeitung Engagierten“.

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig. Foto: Fabrizio Bensch/Reuters/POOL/dpa/Archivbild

Kardinal Rainer Maria Woelki habe zunächst „sehr, sehr hohe Erwartungen geweckt“ und dann mehrfach enttäuscht. „Im Moment fehlt es an dem, was für Aufarbeitung am Wichtigsten ist: Transparenz und Vertrauen, Hoffnung, Zuversicht. Köln erzeugt gerade leider das Gegenteil: Misstrauen und Skepsis.“

Woelki hatte ein Gutachten zum Umgang von Bistumsverantwortlichen mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs von Kindern durch Priester in Auftrag gegeben. Seit der Fertigstellung des Gutachtens vor etwa einem Jahr hält er es jedoch unter Verschluss, wofür er rechtliche Bedenken anführt.

Die „Kölner Wirren“ störten auch die Aufarbeitung in anderen Bistümern, sagte Rörig. Im vergangenen Jahr hatte er sich mit der Deutsche Bischofskonferenz auf die Einrichtung unabhängiger Aufarbeitungs-Kommissionen in allen 27 Bistümern geeinigt. Mit mehr als der Hälfte der Bistümer sei er mittlerweile „in konkreten Gesprächen“ über die Errichtung dieser Kommissionen. Man werde nun sehen können, „welche Bischöfe die Dinge vorantreiben und welche hier noch etwas mehr Energie an den Tag legen müssten“.

Rörig sagte, während in der katholischen Kirche immerhin vieles in Bewegung sei, komme etwa im Sport und im schulischen Bereich erst langsam eine Diskussion in Gang. „Die Aufarbeitung von Missbrauch gehört zum Schmerzhaftesten, was eine Institution sich vornehmen kann. Es gibt leider in den Vereinen, aber auch den Führungsetagen der Sportverbände den Drang, sich damit nicht beschäftigen zu wollen. Das Bewusstsein für das Problem und die Notwendigkeit sind nicht so verankert, wie es sein müsste. Mit der Prävention kommen wir Stück für Stück voran, auch im Kontext Schule. Für das Thema Aufarbeitung kann ich das leider noch nicht behaupten.“

© dpa-infocom, dpa:210222-99-545443/2

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