Missbrauchsprozess: Verteidigung gegen Sicherungsverwahrung

dpa Münster. Die Verteidiger des Hauptangeklagten im Missbrauchskomplex Münster haben sich in ihrem Plädoyer im Prozess am Landgericht gegen eine Sicherungsverwahrung für ihren Mandanten ausgesprochen. Sie forderten stattdessen eine „angemessen milde“ Strafe für den 28 Jahre alten IT-Techniker aus Münster, wie ein Gerichtssprecher am Dienstag mitteilte.

Missbrauchsprozess: Verteidigung gegen Sicherungsverwahrung

Handschellen sind an einem Gürtel eines Justizvollzugsbeamten befestigt. Foto: Frank Molter/dpa/Symbolbild

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten unter anderem vor, seinen inzwischen elf Jahre alten Ziehsohn immer wieder schwer sexuell missbraucht, vergewaltigt und anderen Männern zugeführt zu haben. Ausgehend von den Ermittlungen gegen ihn kamen eine Vielzahl weiterer Beschuldigter, Opfer und Tatorte ans Licht. Die Staatsanwaltschaft hatte daher am 15. Juni auf 14 Jahre Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung plädiert.

Auch die Anwälte von zwei mitangeklagten Männern aus Schorfheide in Brandenburg und dem hessischen Staufenberg forderten am Dienstag für ihre Mandanten von einer Sicherungsverwahrung abzusehen, weil ohnehin lange Haftstrafen drohten. Der Verteidiger der wegen Beihilfe zum schweren Missbrauch von Kindern angeklagten Mutter des IT-Technikers aus Münster will für seine Mandantin einen Freispruch erreichen.

Die Plädoyers fanden am Dienstag zum Schutz der Opfer- wie weite Teile des Prozesses - unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Die Nebenklage-Vertretung hatte sich zuvor den Forderungen der Staatsanwaltschaft nach hohen Haftstrafen und Sicherungsverwahrung für die angeklagten Männer angeschlossen. Ein Termin für die Urteilsverkündung ist noch nicht festgelegt. Ein weiteres Plädoyers steht am Donnerstag an.

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