NRW

Nachts dicht, keine Waffen: Zollstrukturen in Kritik

Kriminalität

Donnerstag, 12. November 2020 - 13:12 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa Emmerich. Als Reaktion auf den spektakulären Millionen-Diebstahl aus dem Emmericher Zollamt kritisiert die Gewerkschaft der Polizei (GdP) veraltete Strukturen und mangelnde Personalausstattung bei der Zollverwaltung. „Die Verwaltung ist im 19. Jahrhundert steckengeblieben; da darf man sich nicht wundern, wenn die Postkutsche überfallen wird“, sagte der Vorsitzende der GdP-Bezirksgruppe Zoll, Frank Buckenhofer, der dpa. Aus dem Zollamt hatten Unbekannte an Allerheiligen (1.11.) rund 6,5 Millionen Euro gestohlen.

Der Vorsitzende des Gewerkschaft der Polizei (GdP), Bezirksgruppe Zoll, Frank Buckenhofer. Foto: Arno Burgi/dpa/Archivbild

Zollämter wie das in Emmerich hätten geregelte Dienstzeiten wie ein Finanzamt, seien also nachts und an Feiertagen unbesetzt, die Beamten seien unbewaffnet, es fehle vielfach an der baulichen Infrastruktur für eine sichere Lagerung von hohen Summen, kritisierte Buckenhofer. Der Zoll müsse aber immer wieder beschlagnahmte Millionenbeträge verwahren, weil das Bargeld für die Ermittlungen zum Beispiel auf Fingerspuren untersucht werden muss. Die Gelder könnten deshalb nicht sofort bei der Landeszentralbank eingezahlt werden.

„Würde der Zoll über eine schlagkräftige Finanzpolizei verfügen, wie sie die GdP bereits seit Jahrzehnten fordert, die auch rund um die Uhr ihre Wachen besetzt hätte, dann läge das Geld dort sicher in den Tresoren“, sagte Buckenhofer. „Die Einbrecher hätten sich dann auch nicht stundenlang ungestört in den Räumen aufhalten und bohren können, ohne sofort von bewaffneten Finanzpolizisten festgenommen zu werden.“ Im Übrigen müssten Saferäume - unabhängig vom Gesamtgebäude - mit einer eigenen Alarmanlage ausgestattet werden. Der Gewerkschafter sprach von einer „unbegreiflichen Untätigkeit der politisch Verantwortlichen im Bund“.

Der Zoll bekämpfe zunehmend hoch professionelle Organisierte Kriminalität in den Bereichen Geldwäsche, Schmuggel und Schwarzarbeit. Für diesen Auftrag reichten die heutige strategische Ausrichtung, die Behördenstruktur, die Personalausstattung sowie die Technik und IT im Zoll nicht mehr aus.

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