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Ohne Geld kein Einkauf: Bundesliga hofft auf Millionen Pfund

Fußball

Dienstag, 28. Juli 2020 - 12:13 Uhr

von Von Holger Schmidt, dpa

dpa Düsseldorf. Der Transfermarkt kommt in Corona-Zeiten nicht in Gang. Die kleinen Vereine brauchen Einnahmen, die ihnen bisher niemand beschert. Und selbst die großen Clubs tun sich schwerer als sonst. Die Rettung könnte aus England kommen.

Ein Ball liegt auf dem Rasen. Foto: Tobias Hase/dpa/Archivbild

Die ganze Bundesliga hofft auf viele Millionen Pfund: Nach dem Ende der englischen Premier League könnte auch der Transfermarkt in der Fußball-Bundesliga endlich anlaufen. Allen voran durch die mindestens 200 Millionen, die der FC Chelsea und Manchester United nach der Champions-League-Qualifikation für ihre Wunschspieler Kai Havertz und Jadon Sancho ausgeben könnten. Doch dieses Geld hilft nur, falls Leverkusen und Dortmund es auch in der Bundesliga reinvestieren. Viele Vereine hoffen, auch ihre Stars teuer auf die Insel verkaufen zu können, um selbst in Corona-Zeiten investieren zu können.

„Wenn das Geld nicht da ist, kannst du nicht einkaufen“, sagt Eintracht Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic und bringt das Dilemma dieses Sommers auf den Punkt. Es werde ein „zäher und langer Sommer“, sagt Bobic. Denn zum einen können die Vereine nach den unerwarteten Corona-Verlusten nur das ausgeben, was sie einnehmen - und meist nicht einmal das. Zum anderen verbietet auch die moralische Komponente große Einkäufe. „Wir können jetzt ja nicht wie verrückt in neue Spieler investieren, und gleichzeitig müssen sie auf Gehalt verzichten“, sagt Bobic. Hinzu kommt auch noch die Unsicherheit über das Budget wegen der offenen Zuschauerfrage.

„Der Markt war vorher überhitzt, jetzt ist er corona-geschädigt“, sagt Sportvorstand Hasan Salihamidžić vom FC Bayern. Denn selbst am Branchenprimus geht die aktuelle Krise nicht ganz spurlos vorbei. „Kein Mensch kann seriös voraussagen, wie lange uns Corona noch im Fußball beschäftigen wird“, sagt Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge.

„Die Vereine haben ihr Schattenkabinett an interessanten Spielern erstellt. Aber viele warten ab, welche Spieler sie verkaufen“, sagt Spielerberater Jörg Neblung. Im Endeffekt sei es „wie in jedem Jahr, nur etwas extremer“, meint Neblung: „Alle warten darauf, dass die Investoren-Clubs, die reichen Vereine und die Champions-League-Teilnehmer Geld in die Hand nehmen. Und, dass das nach unten durchsickert.“

Rechnet man zurückgekehrte Leihspieler und aus Nachwuchsteams beförderte Talente nicht mit, haben die 18 Erstligisten bisher gerade mal 23 Spieler verpflichtet. Viele sind geliehen oder Perspektivspieler. Sieben Clubs haben noch keinen einzigen Profi von außen verpflichtet. Und in den einzigen drei Fällen, in denen zweistellige Millionensummen bezahlt wurden - geschätzte 50 Millionen vom FC Bayern für Leroy Sané, 25 Millionen von Dortmund für Jude Bellingham und bis zu 15 Millionen von RB Leipzig für Hee-chan Hwang - floss das Geld ins Ausland.

Und von dort wurde noch nicht viel gekauft. Denn Clubs aus den abgebrochenen Ligen haben wegen fehlender TV-Einnahmen noch weniger Geld zur Verfügung. Und die anderen spielten deutlich länger als die Bundesliga und wissen teilweise heute noch nicht, ob sie ihre Saisonziele erreichen. Die Saison in Spanien ging in der Vorwoche zu Ende, die in England am Sonntag, die in Italien endet erst an diesem Wochenende. Dann werde bald „der Markt überschwemmt“, glaubt Bobic.

Die Vorsicht wird trotzdem vielerorts das Handeln bestimmen. Hoffenheims Sportchef Alexander Rosen rechnet damit, dass es in diesem Jahr vermehrt zu Leihen oder sogar Spielertausch kommt. Umgekehrt haben gerade kleine Vereine ihren besten Spielern zumindest Preisschilder verpasst. Unverkäuflich ist in diesen Zeiten niemand. Für mindestens 15 Millionen Euro können zum Beispiel auch die Torjäger Jean-Philippe Mateta (Mainz) oder Jhon Cordoba (Köln) gehen. Doch bisher zahlt das niemand.

Einen anderen Weg geht Borussia Mönchengladbach. „Für mich steht das fest, dass wir keinen abgeben werden“, sagt Manager Eberl im „WZ“-Interview. Vielleicht weil zu vermuten ist, dass die Preise nur für diesen Sommer sinken. Aber eben auch mit einem Haken: „Dadurch haben wir jetzt keine Millionen für neue Investitionen zur Verfügung, sondern einen kleineren Rahmen.“

Die Hoffnung für die meisten heißt deshalb England, weil die Vereine dort durch den hohen Investorenanteil geringer betroffen sind. Wenn der Markt in Schwung kommt, könnten letztlich sogar mehr Top-Spieler als erhofft die Bundesliga verlassen. Doch das ist in den Augen von Christian Streich kein Problem. „Wenn ein paar Stars dann nicht mehr da sind, sondern in England, weil da ein paar Großinvestoren sind, macht mir das nichts aus“, sagte der Freiburger Trainer. Er könne sich die Bundesliga auch als „Ausbildungsliga auf hohem Niveau“ vorstellen.

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