NRW

Opfer kämpft nach 20 000 Volt-Stromschlag mit Versicherung

Prozesse

Montag, 13. Januar 2020 - 17:48 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa/lnw Düsseldorf. Im Jahr 2012 überlebt Joachim Dancker einen schweren Stromschlag nur knapp. Seither streitet er mit seiner privaten Unfallversicherung.

Der Schriftzug „Landgericht Düsseldorf“ hängt an der Fassade des Landgerichts an der Werdener Straße. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa/Archivbild

Seit fast acht Jahren kämpft Joachim Dancker (59) nach einem 20 000-Volt-Stromschlag um seine Anerkennung als Opfer eines Arbeitsunfalls. Der Elekroinstallateur hatte den Stromschlag bei Wartungsarbeiten im Rechenzentrum einer Großbank nur knapp überlebt. Er musste zweimal wiederbelebt werden, lag tagelang im Koma und wurde 17 Mal operiert. An diesem Montag wurde der Streit vor dem Düsseldorfer Landgericht fortgesetzt.

Der Familienvater gilt seither als erwerbsunfähig ist und erhält eine Invalidenrente. Für die Rentenkasse war es ein klarer Fall, für seine private Unfallversicherung nicht. Sie weigert sich seit Jahren zu zahlen (Az: 9 O 196/15).

Dancker leidet bis heute unter den Folgen. Doch die Versicherung bestreitet einen Zusammenhang und will die geforderten 431 000 Euro nicht zahlen. Nach dem Starkstromschlag hatten zwei Kollegen den rauchenden Körper Danckers aus dem Gefahrenbereich gezogen und ihn wiederbelebt. Ein Rettungsarzt musste ihn kurz darauf erneut reanimieren.

Bis heute kann der 59-Jährige nach eigenen Angaben keine Kälte spüren, sein Geruchs- und Geschmackssinn sind schwer gestört, die Arme lassen sich nur eingeschränkt bewegen. Die Sehkraft ist erheblich reduziert, das Herz sei massiv geschwächt, so Joachim Danckert. Er leide an Schlafstörungen, Höhenangst und zum Teil auch unter Depressionen.

Zunächst schien alles kein Problem zu sein. Ein halbes Jahr nach dem Stromschlag erkannte die Versicherung in einem Schreiben vom 4. März 2013 die unfallbedingte dauerhafte Schädigung von Joachim Dancker an. Im November 2013 wurden ihm 5000 Euro überwiesen, im April 2014 weitere 5000 Euro.

Doch dann bestritt die Versicherung, dass die Leiden des Mannes Folgen des Arbeitsunfalls seien und forderte das bereits gezahlte Geld zurück. Es könne sich vielmehr um Folgen seines Übergewichts handeln. Seither wird gestritten.

Die Versicherung hat einen Vergleich über 250 000 Euro mehrfach abgelehnt. Dann wurde der Gutachter über ein Jahr lang krank und die Verhandlung musste abgebrochen werden. Am Montag ging es vor dem Landgericht weiter. Die Richterin regte einen Vergleich an - vergeblich. Am 13. Februar will die Richterin verkünden, wie es weiter geht. Die Anwältin der Versicherung fordert, weitere Gutachten von Orthopäden, Augenärzten, Neurologen und Psychiatern einzuholen.


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