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NRW

Sportwissenschaftler: Mentalitäts-Debatte der falsche Ansatz

Fußball

Freitag, 27. September 2019 - 14:37 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa Köln. Sportwissenschaftler Daniel Memmert hält die aktuelle Mentalitäts-Debatte im Profi-Fußball für den falschen Ansatz. Er habe „komplettes Verständnis dafür“, dass Spieler sich allein durch die Frage nach eventuell fehlender Mentalität ungerecht behandelt fühlten. „Für einen Spieler ist es das Schlimmste, sich diesem Vorwurf ausgesetzt zu sehen“, sagte der Wissenschaftler der Deutschen Sporthochschule in Köln: „Ein Profi will unbedingt gewinnen, er hat Freude am Gewinnen und hat alles dafür gegeben. Am Ende hat ein Kollege einen Fehler gemacht oder der Gegner hat einfach sehr gute Entscheidungen getroffen. Und dann ärgert sich der Spieler natürlich, wenn er sich eines solch globalen Vorwurfs erwehren muss.“

Daniel Memmert, Sportwissenschaftler an der Deutschen Sporthochschule Köln. Foto: Henning Kaiser/Archivbild

Tore im Profi-Fußball seien „singuläre Ereignisse“, erklärte Memmert: „40 Prozent der Tore im Profi-Fußball basieren auf Zufällen.“ Statt über Mentalität, über den ohnehin vorhandenen Sieges-Willen, solle man im Fußball deshalb eher über „Kognition“ sprechen, sagte Memmert, der mit einem Vorwort von Bundestrainer Joachim Löw zuletzt das Werk „Fußballspiele werden im Kopf entschieden“ verfasste. Es gehe um Antizipation, Aufmerksamkeit, Kreativität, Spielintelligenz oder das Verhalten in Drucksituationen. Kurzum um Entscheidungs-Qualität. „In diesem Bereich gibt es im Fußball sicher die größten Entwicklungsressourcen“, sagte Memmert: „Da können wir in den kommenden 15 Jahren noch viel entwickeln.“

Die Diskussion hatte sich in den vergangenen Tagen entwickelt, nachdem Borussia Dortmunds Kapitän Marco Reus nach dem spät verspielten Sieg beim 2:2 in Frankfurt vor laufender Sky-Kamera mit deutlichen Worten seinen Unmut über die Frage nach Mentalität äußerte.

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