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Tah über Europacup-Abbruch: „Gesundheit wichtiger als Titel“

Fußball

Freitag, 13. März 2020 - 16:09 Uhr

von Von Holger Schmidt, dpa

dpa Glasgow. Bayer Leverkusen scheint derzeit nicht zu stoppen. In allen drei Wettbewerben feiert die Werkself Sieg um Sieg. Doch auf dem Weg zum ersehnten Titel könnte der Abbruch der Europa-League-Spiele in die Quere kommen.

Jonathan Tah in Aktion. Foto: David Inderlied/dpa

Der Titel winkt, der Komplett-Abbruch droht: Auf dem Weg zum erlösenden ersten Titel seit 27 Jahren könnte Bayer Leverkusen ein vorzeitiges Ende der Europa League in die Quere kommen. Am Freitag setzte die UEFA den Spielbetrieb in den Europapokalen schon mal vorerst aus.

Doch für Jonathan Tah sind die Prioritäten klar. „Wenn Menschen dadurch geholfen wird, stehen wir voll dahinter“, sagte der Nationalspieler nach dem 3:1 (1:0)-Sieg im Achtelfinal-Hinspiel bei den Glasgow Rangers: „Dann geht es nicht um Titel, sondern um die Gesundheit. Das ist wichtiger. Und das sehen wir glaube ich alle so.“

Torhüter Lukas Hradecky auf jeden Fall. Der freute sich nach dem zwölften Sieg aus den letzten 14 Pflichtspielen, der Bayer endgültig zu einem Titelkandidaten machte, „dass unser Lauf weitergeht“. Doch auch ihm ist klar: Wenn die Corona-Pandemie einen Abbruch der Europacup-Wettbewerbe erfordert, geht das vor. „Wenn es so ist, dann ist es eben so“, sagte der Finne: „Ich spiele lieber gesund als ungesund. Es ist eine schlimme Situation in der Welt.“

Trainer Peter Bosz hatte am Donnerstagabend schon die Vermutung geäußert, dass die nächsten Spiele ausgesetzt oder verschoben werden. „Ich glaube aber nicht, dass sie den Wettbewerb abbrechen werden“, sagte der 56-Jährige.

Grundsätzlich hofft der Niederländer natürlich, „dass es weitergeht. Aber ich entscheide das nicht. Es ist einfach verrückt. Überall auf der Welt werden Spiele abgesagt oder finden ohne Fans statt.“ Das, so bekräftigte Bosz noch einmal, verstehe er nicht. „Wir spielen nicht für uns selbst. Wir spielen für die Fans“, sagte er: „Ich weiß, dass das nicht jeder hören will, aber das ist meine Meinung.“

Doch auch das müsse man eben akzeptieren, erklärte Tah. „Als Spieler willst Du natürlich, dass die Fans dabei sind“, sagte er: „Aber wenn das im Moment die Lösung ist, dann ist es eben so.“

Im vorerst letzten Spiel vor Zuschauern bekamen die Bayer-Profis Gänsehaut und noch einmal vor Augen geführt, wie sehr die Fans fehlen werden. „Die Stimmung war fantastisch. Ehrlich gesagt bin ich ein bisschen eifersüchtig“, sagte Hradecky über die Fans im legendären Ibrox Stadium. „Das nehmen wir jetzt als letztes Spiel mit“, sagte Hradecky: „Jetzt kommt der große Kontrast.“

Da glaubte der Finne noch an Geisterspiele am Montag bei Werder Bremen und im Rückspiel nächsten Donnerstag gegen Glasgow. Doch zunächst setzte die UEFA die Europacup-Wettbewerbe vorübergehend, dann sagte Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) das Liga-Spiel ab. „Das ist eine Entscheidung der Politik. Und diese vernünftige Entscheidung akzeptieren wir natürlich“, sagte Bayer-Sportchef Rudi Völler.

Schon die Konzentration auf das Spiel in Schottland war den Leverkusenern nicht leicht gefallen. Denn am Mittag hatte es Gerüchte gegeben, dass schon diese Partie kurzfristig noch ausfallen könnte. „In unserem Kopf geht es immer weiter“, sagte Tah: „Man kann ja nicht davon ausgehen, dass es abgebrochen wird, man muss weiter fokussiert bleiben. Das Beste ist sowieso, sich nicht so viel damit zu beschäftigen.“ Auf die Frage, ob er denn aktuell noch aufs Handy schaue, meinte der 24-Jährige lachend: „Wenn man Musik hört, geht’s. Wenn man in Medien-Apps schaut, ist alles voll davon.“

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