NRW

Thesenanschlag am Dom: Reformbewegung Maria 2.0 protestiert

Kirche

Sonntag, 21. Februar 2021 - 13:14 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa Köln. In Anspielung auf Martin Luther hat die katholische Reforminitiative Maria 2.0 am Sonntag Thesen an einem der Portale des Kölner Doms und vielen anderen Kirchentüren in NRW angebracht. Mit der Aktion wollen die katholischen Frauen auf „eklatante Missstände“ in der Kirche hinweisen. Etwa zehn Frauen der Initiative befestigten zwei Thesenplakate mit Kabelbindern am Südportal des Doms.

Aktivistinnen der katholischen Reforminitiative "Maria 2.0" stehen mit einem Thesenpapier vor dem Kölner Dom. Foto: Henning Kaiser/dpa

Dass der Reformator Luther seine Thesen 1517 an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg genagelt haben solle, sei zwar wohl eher eine Legende, aber seine Kritik an den damaligen Zuständen habe Großes in Bewegung gesetzt, hieß es.

Die Mitstreiterinnen von Maria 2.0 fordern in ihren Thesen unter anderem eine Kirche mit „Zugang für alle Menschen zu allen Ämtern“. „Heute garantieren die Menschenrechte und das Grundgesetz allen Menschen gleiche Rechte - nur die katholische Kirche ignoriert das“, kritisiert Maria 2.0. Frauen würden systematisch benachteiligt, indem ihnen das Priesteramt vorenthalten werde.

Die Initiative pocht auch auf die Verfolgung und Bekämpfung sexualisierter Gewalt. Zurzeit gelte leider: „Kirchliche Machthaber halten Informationen zu solchen Gewaltverbrechen unter Verschluss und stehlen sich aus der Verantwortung.“

Maria 2.0 vertritt die Auffassung, dass die katholische Sexualmoral „lebensfremd und diskriminierend“ ist. Sie orientiere sich nicht am christlichen Menschenbild und werde von der Mehrheit der Gläubigen nicht mehr ernst genommen - das müsse sich ändern. „Unsere Kirche ist bunt“, stellen die Frauen klar.

Der Zölibat, die vorgeschriebene Ehelosigkeit der Priester, soll der Initiative zufolge aufgehoben werden. Denn wer diese Pflicht nicht einhalten könne, lebe oft hinter einer Scheinfassade.

Maria 2.0 forderte die Deutsche Bischofskonferenz auf, sich bei ihrer Frühjahrsversammlung in der kommenden Woche ernsthaft mit den notwendigen Reformen auseinanderzusetzen. Der Wille zur Veränderung müsse durch Taten bezeugt werden.

© dpa-infocom, dpa:210221-99-531093/3


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.