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NRW

Tönnies will Experten-Analyse in Hygienekonzept einarbeiten

Unternehmen

Donnerstag, 25. Juni 2020 - 16:12 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa/lnw Gütersloh/Rheda-Wiedenbrück. Nach einer ersten Analyse eines Hygiene-Experten der Uni Bonn zum Corona-Ausbruch beim Fleischbetrieb Tönnies will das Unternehmen einen Vorschlag aufnehmen. „Der bisher unbekannter Faktor Lüftung wird nun in unser Risikomanagement eingearbeitet. Diese neuen Erkenntnisse, der Lüftung in gekühlten Räumen sind aber nicht nur für uns, sondern von weltweiter Bedeutung für das produzierendes Gewerbe mit gekühlten Räumen“, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. In der kommenden Woche werde Tönnies den Behörden ein Konzept dazu vorlegen.

Martin Exner, Direktor des Instituts für Hygiene und Öffentliche Gesundheit und Geschäftsführender Direktor des Zentrums für Infektiologie und Infektionsschutz der Universität Bonn, spricht. Foto: David Inderlied/dpa/Archivbild

Der Bonner Hygiene-Experte Martin Exner hatte sich am vergangenen Wochenende die Lage im Tönnies-Werk in Rheda-Wiedenbrück angeschaut und vermutet als einen möglichen Faktor für die Verteilung des Coronavirus die Umwälzung der Luft. In dem auf 6 bis 10 Grad kalten Raum wird die durch die hart körperlich arbeitenden Mitarbeiter entstehende warme Luft abgesaugt und dann gekühlt zurück gebracht. Bislang fehlt dabei aber eine Aufbereitung. Exner empfahl daher zum Schutz gegen Viren Hochleistungsfilter, wie sie bereits in den Operationssälen in Krankenhäusern eingesetzt werden und UV-Bestrahlung.

„Die sehr konkreten Vorschläge von Prof. Exner sind für uns von großem Wert, um das Pandemierisiko zu minimieren“, sagte Tönnies-Sprecher André Vielstädte der Deutschen Presse-Agentur.

Auch der Verband der Fleischwirtschaft teilte mit: „Wir prüfen jetzt, welche Techniken zeitnah installiert werden können, um diese Gefährdung für die Mitarbeiter einzuschränken oder gar gänzlich auszuschließen. Nach wie vor ist es das oberste Ziel der Betriebe, dass das Virus gar nicht erst in die Betriebe gelangt.“

Das Unternehmen Westfleisch verwies am Nachmittag auf die noch offene Diskussion des Themas in der Wissenschaft. „Der Einsatz möglicher Hochleistungsfilter befindet sich erst zu Beginn der wissenschaftlichen und technischen Diskussion, die wir sehr sorgfältig verfolgen - verlässliche Ergebnisse liegen noch nicht vor“, sagte ein Sprecher der dpa.

Nach einer Empfehlung des Robert Koch-Instituts werde bei Westfleisch beim Austausch der Raumluft bereits Frischluft zugeführt. Von daher sei das Thema Kühlung beim schrittweisen Hochfahren des Werkes in Coesfeld vor ein paar Wochen auch kein Thema im Austausch mit den Behörden gewesen, teilte Westfleisch weiter mit.

Nach einer Häufung von Corona-Infektionen bei Mitarbeitern bei Westfleisch in Coesfeld waren zuletzt bei Deutschlands größtem Schlachtbetrieb Tönnies mehrere Hundert Werksarbeiter positiv auf das Corona-Virus getestet worden. In der Folge gab es in den Kreisen Gütersloh und Warendorf einen eingeschränkten Lockdown.

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