NRW

U-Ausschuss: Kripo in NRW hielt Anschlag für wahrscheinlich

Innere Sicherheit

Freitag, 16. Februar 2018 - 12:11 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa/bb Berlin. Welche Gefahr ging vom späteren Terroristen Anis Amri aus? Das schätzten Experten bei der Polizei in Nordrhein-Westfalen und Berlin laut einer Zeugenaussage höchst unterschiedlich ein.

Wie gefährlich der spätere islamistische Attentäter Anis Amri war, haben Terrorexperten in Nordrhein-Westfalen und Berlin sehr unterschiedlich eingestuft. So stellte es ein Zeuge vom Landeskriminalamt NRW am Freitag im Berliner Untersuchungsausschuss zum Terroranschlag dar. In NRW sei Amri lange vor dem Anschlag als sehr gefährlich eingeschätzt worden. Die Berliner Kripo habe Amri hingegen Anfang 2016 für weniger gefährlich und einen Anschlag in Deutschland für nicht wahrscheinlich gehalten.

Der Zeuge sagte, in den Besprechungen des Gemeinsamen Terrorismusabwehrzentrums Mitte Februar 2016 hätten er und seine Kollegen betont, dass Amris Entwicklung, seine Bewegungen, seine Ansprechpartner und seine Chats darauf hinwiesen, dass er einen Anschlag in Deutschland und zwar vermutlich in Berlin plane. Die Terrorexperten vom Berliner LKA hätten aber eher angenommen, Amri plane einen Anschlag in Syrien oder anderen arabischen Ländern.

Im Terrorismusabwehrzentrum sei Amri auf die Gefährlichkeitsstufe 5 von 8 gesetzt worden, sagte der Terrorexperte. „Ich habe schon deutlich gemacht, dass ich ihn höher einstufen würde, auf 4 von 8. Und dass er drauf und dran ist, dass er hier in Deutschland was macht.“ Er räumte aber auch ein, die Auswertung von abgehörten Chats von Amri mit tausenden Nachrichten auf arabisch sei den Kollegen in Berlin erst einen Tag vor dieser Beratung zugegangen. Das sei möglicherweise zu knapp gewesen.

Im Lauf des Tages sollte auch ein Beamter vom Landeskriminalamt Berlin aussagen. Bei dem Terroranschlag auf den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche starben am 19. Dezember 2016 zwölf Menschen, mehr als 70 wurden verletzt.


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