NRW

Vater missbrauchte eigene Kinder: Mehr als sechs Jahre Haft

Prozesse

Freitag, 19. Februar 2021 - 15:55 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa/lnw Wuppertal. Ein Hinweis von US-Behörden hat die Ermittlungen ins Rollen gebracht. Nun hat das Wuppertaler Landgericht einen Familienvater verurteilt, der immer wieder seine Tochter und seinen Sohn missbraucht hat. Der Richter fand deutliche Worte.

Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand. Foto: David-Wolfgang Ebener/dpa/Symbolbild

Ein Solinger Familienvater ist wegen des Missbrauchs seiner eigenen Kinder zu sechs Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden. Der 39-Jährige war im vergangenen Sommer auf einem Campingplatz in Rösrath bei Köln festgenommen worden. „Er wusste genau, was er tut“, sagte der Vorsitzende Richter Karsten Bremer am Freitag.

Der Pädophile hatte am Wuppertaler Landgericht ein umfassendes Geständnis abgelegt und dabei sechs weitere Verdächtige belastet. Der Zeitsoldat war Teil eines größeren Pädophilen-Netzwerks mit Verbindungen zu den beiden großen Kindesmissbrauchskomplexen von Münster und Bergisch Gladbach.

Als der Missbrauch seiner Tochter begann, sei diese neun Jahre alt gewesen, so der Richter. Angefeuert von seiner Chat-Gruppe hätten sich die Taten dann gesteigert. Obwohl er bereits unter Verdacht gestanden habe und seine Wohnung durchsucht worden sei, habe er begonnen, seinen Sohn ebenfalls sexuell zu missbrauchen.

Gegen die Ehefrau und Mutter der Kinder wird weiter ermittelt. Sie soll ihren Kindern nicht geholfen haben. Trotz eines „Schutzkonzepts“ des Jugendamts waren die Kinder bei ihren Eltern gelassen worden. „Da ging es erst richtig los, da wurde auch der Junge einbezogen“, so der Richter. Dies sei „dreist und unverfroren“.

Mindestens 300 000 kinderpornografische Dateien seien bei dem voll schuldfähigen Mann gefunden worden. Dabei waren speziell zur Suche von Datenträgern ausgebildete Spürhunde eingesetzt worden.

„Hier ist nicht nur die Spitze des Eisbergs bekannt. Vielleicht gab es noch weitere Taten, aber der Eisberg konnte doch weitestgehend gehoben werden“, sagte der Richter. Dazu habe der Angeklagte beigetragen.

Der Vater habe seinen Kindern durch sein Geständnis eine Aussage vor Gericht erspart. Andererseits habe er in Chats anderen Tätern Tipps zum Missbrauch ihrer Kinder gegeben. Seine Tochter sei wegen der Taten schwer abgemagert und traumatisiert. Die Kinder „mussten jeden Abend Angst haben, dass der Vater kommt und sie missbraucht“, sagte der Richter.

Der Staatsanwalt hatte neun Jahre Haft beantragt. Unmittelbar nach Prozessbeginn im Januar war die Öffentlichkeit zum Schutz der Kinder ausgeschlossen worden.

Ein Hinweis von US-Behörden hatte die Ermittlungen im September 2019 ins Rollen gebracht haben. Die Spur führte zu der Adresse in Solingen. Im Dezember 2019 war die Wohnung des heute 39-Jährigen ein erstes Mal durchsucht worden, im Juni 2020 ein zweites Mal. Auto und Wohnwagen der Familie waren sichergestellt worden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

© dpa-infocom, dpa:210219-99-512308/3

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