Verbrannte Leiche: Angeklagter zu Jugendstrafe verurteilt

dpa/lnw Bonn. Im Prozess um den Tod eines in einem Waldstück gefundenen 46-Jährigen hat das Bonner Landgericht einen 20-Jährigen wegen Totschlags zu sechseinhalb Jahren Jugendstrafe verurteilt. Ein 30 Jahre alter Mitangeklagter wurde - obwohl er während der Tötung des Opfers dabei war - am Freitag mangels ausreichender Beweise freigesprochen. Beide Angeklagten hatten im Prozess den jeweils anderen belastet, den 46-Jährigen getötet zu haben. Beide Verteidiger hatten auf Freispruch plädiert.

Verbrannte Leiche: Angeklagter zu Jugendstrafe verurteilt

Paragrafen-Symbole sind an Türgriffen am Eingang zum Landgericht Bonn angebracht. Foto: Oliver Berg/dpa/Archivbild

Laut Urteil war es zwischen den beiden und dem späteren Opfer - alle drei kannten sich aus der Drogenszene - in einer Nacht im Juli 2020 in einem Waldstück bei Eitorf im Rhein-Sieg-Kreis zum Streit gekommen. Ein erkennbares Motiv habe es nicht gegeben. In der Folge wurde der 46-Jährige schwer misshandelt. Ihm wurde ein Ast auf den Kopf geschlagen und eine abgebrochene Bierflasche in den Bauch gerammt. Eine Schaufel zertrümmerte das Gesicht. Wer die entscheidenden Schläge geführt hatte, konnte nicht geklärt werden.

Entscheidend für die Verurteilung des jüngeren Angeklagten wurde ein einziges Detail: Der 20-jährige Deutsche hatte zum Schluss seinen Gürtel abgezogen, um den Hals des Opfers gelegt und ihm - so hatte es der Mitangeklagte geschildert - „damit das Genick gebrochen“. Der Jüngere jedoch hatte indes erzählt, dass der 46-Jährige bereits tot gewesen sei, als er den Gürtel angelegt habe. Damit habe er versucht - so seine Begründung - die Leiche in den Wald zu ziehen. Diese Version aber glaubte die Kammer dem 20-Jährigen nicht. Das wäre eine „seltsame Art von Leichentransport“.

Beide Angeklagte waren laut Urteil an der Entsorgung der Leiche beteiligt: Sie versteckten den Toten in einem trockenen Bachlauf und übergossen den Kopf mit Spiritus. Dann zündeten sie ihn an. Anfang August 2020 fiel einer Joggerin der Leichengeruch auf. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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