NRW

Vertuschungsvorwürfe: Heßes Namenskürzel auf Vermerk

Kirche

Dienstag, 20. Oktober 2020 - 17:31 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa Köln/Hamburg. Im Zusammenhang mit Vertuschungsvorwürfen hat der Hamburger Erzbischof Stefan Heße eingeräumt, dass sich sein Namenskürzel auf einem brisanten Vermerk befindet. „Der Vorgang muss nun im Einzelnen aufgeklärt werden“, teilte Heße am Dienstag dazu mit. „Ich bin an einer vollständigen Aufklärung interessiert.“ Aufgedeckt worden ist der Fall von der „Bild“-Zeitung.

Erzbischof Stefan Heße. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa/Archivbild

Der Vermerk stammt von 2010, als Heße noch Personalchef im Erzbistum Köln war. In der Notiz heißt es, dass ein des sexuellen Kindesmissbrauchs beschuldigter Pfarrer „im Generalvikariat in einem Gespräch alles erzählt“ habe. Weiter heißt es: „Es sollte über dieses Gespräch jedoch bewusst kein Protokoll angefertigt werden, weil befürchtet wurde, dass dies dann beschlagnahmefähig wäre. Aus diesem Grund sollten nur handschriftliche Notizen existieren, die notfalls vernichtet werden könnten. Herr Prälat Dr. Heße gibt zu diesem Vorgehen sein Einverständnis.“

Heße teilte dazu am Dienstag mit: „Es handelte sich um eine Telefonnotiz meiner Sekretärin. Es ist also nicht etwas, was ich gesagt habe, auch nicht etwas, was mir gesagt wurde, sondern etwas, das aufgeschrieben worden und mir vorgelegt worden ist, und das wirft einige Fragen auf.“ Dazu brauche es auch andere Beteiligte, „die sagen, was sie diktiert, geschrieben und was sie damit gemeint haben“. Auf die Frage der „Bild“-Zeitung, ob sein Namenskürzel auf dem Vermerk erkennbar sei, antwortete Heße: „Ja, so sieht es auf der Kopie aus.“ Ebenso äußerte sich auf Nachfrage Heßes Sprecher.

In dem Fall geht es um einen heute 69 Jahre alten Priester. Die Kölner Staatsanwaltschaft hat den Mann wegen sexuellen Missbrauchs seiner minderjährigen Nichten in den 90er Jahren angeklagt. 2010 war der Priester schon einmal angezeigt worden, doch damals wurde die Anzeige zurückgezogen. 2019 wurden die Ermittlungen wieder aufgenommen und führten in diesem Jahr zur Anklage. Der Priester war nach dem erstmaligen Bekanntwerden der Vorwürfe noch jahrelang weiterbeschäftigt worden.

Das Erzbistum Köln betonte am Dienstag in einer Stellungnahme, es sei nicht bekannt, was der Pfarrer 2010 in dem Gespräch im Generalvikariat genau gesagt habe. „Der Behauptung, es handele sich um ein „Missbrauchsgeständnis“ fehlt daher aktuell die Beweisgrundlage“, teilte das Erzbistum mit. Weiter heißt es: „Erzbischof Dr. Heße hat laut einem Vermerk seiner damaligen Sekretärin dem beschriebenen Vorgehen (handschriftlich, Möglichkeit der Vernichtung der Gesprächsnotiz) zugestimmt. Die Vernichtung hat aber offensichtlich nicht stattgefunden, da die Gesprächsnotiz noch vorliegt.“

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