Viele Gesundheitsämter lehnen neue Corona-Software ab

dpa/lnw Düsseldorf. Die von Bund und Ländern bis Ende Februar angestrebte Einführung einer einheitlichen Software zur Corona-Kontaktnachverfolgung stößt bei den Gesundheitsämtern auf wenig Akzeptanz. Nach Einschätzung des Deutschen Landkreistags ist mit dem neuen IT-System „Sormas“ auch die angepeilte Entlastung der Gesundheitsämter „von unnötigem Aufwand“ nicht zu erreichen. Das betonte der kommunale Spitzenverband, der knapp 300 Landkreise bundesweit vertritt, in einem Brief an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). „Wir halten das Ziel einer flächendeckenden Einführung deshalb weder für erstrebenswert, noch derzeit erreichbar“, heißt es in dem Schreiben von Ende Januar, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Laut Landkreistag wird „Sormas“ deutschlandweit bisher lediglich von rund 80 Gesundheitsämtern genutzt. Einem Bericht der „Rheinischen Post“ (Donnerstag) zufolge nutzen in Nordrhein-Westfalen unter den 53 Gesundheitsämtern nur sechs Städte und Kreise die vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung entwickelte Software, die den Austausch unter den Behörden erleichtern soll. Das seien Krefeld, Mönchengladbach, die Kreise Warendorf und Coesfeld sowie der Rhein-Kreis Neuss und der Rhein-Sieg-Kreis.

NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) und der Landesbeauftragte für die Informationstechnik drängten auf den Einsatz von „Sormas“, hieß es auf dpa-Anfrage im Ministerium in Düsseldorf. Den Gesundheitsämtern werde Unterstützung angeboten. Die RP zitierte Pinkwart mit der Aussage, das Land sei „bereit, sehr kurzfristig im Erlasswege die Installation von "Sormas" anzuordnen.“

Nach Angaben des Landkreistags hatte Spahn zunächst für die Installierung geworben. Im Januar hätten Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Länderregierungschefs dann den flächendeckenden Einsatz von „Sormas“ bis Ende Februar für „erforderlich“ erklärt. Der Verband betonte in dem Schreiben, die Gesundheitsämter nutzen digitale Instrumente zur Kontaktnachverfolgung und bräuchten keine zusätzlichen Anwendungen. Man sei aber gezwungen gewesen, etwa mit dem Robert Koch-Institut (RKI) via Fax zu kommunizieren, da es „am digitalen Meldeweg“ fehle.

Ein Verbandssprecher sagte, man wolle die Vielfalt der Programme vor Ort erhalten. Der Bund solle Schnittstellen und Standards definieren und entwickeln, um den Austausch der Daten unter den relevanten Akteuren zu gewährleisten. Es sei zudem schwierig, inmitten der extremen Pandemie-Belastungssituation einen Umstieg zu vollziehen.

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