Vor Prozess in der Türkei: Demirci hofft auf Heimreise

dpa Istanbul. Der Kölner Sozialarbeiter Adil Demirci hofft vor der Fortsetzung seines Prozesses in der Türkei am Dienstag auf die Erlaubnis heimzufliegen. „Ich hoffe natürlich, dass der Richter die Ausreisesperre gleich aufhebt“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur in Istanbul.

Der Prozess dreht sich um einen der prominentesten verbliebenen Fälle gegen einen Deutschen wegen Terrorvorwürfen in der Türkei. Demirci (33) war Mitte Februar nach rund zehn Monaten aus der Untersuchungshaft freigekommen, durfte aber die Stadt Istanbul nicht verlassen. Er wird am Dienstag persönlich vor Gericht erscheinen.

Demircis Mutter ist schwer an Krebs erkrankt. Seine Anwälte werden am Dienstag zusammen mit dem Antrag auf Aufhebung der Ausreisesperre auch ein übersetztes Attest ihrer Ärzte einreichen.

Demirci war im April 2018 während eines Familienurlaubs festgenommen worden. Die Staatsanwaltschaft wirft Demirci Mitgliedschaft in der linksextremen Marxistisch-Leninistischen Kommunistischen Partei (MLKP) vor. Die MLKP gilt in der Türkei als Terrororganisation.

Demirci sagte, er habe seit seiner Freilassung „viel Zeit mit Freunden und Familie verbracht, um zu verarbeiten, was passiert ist“. Er sei zufrieden mit der Betreuung durch das deutsche Konsulat. Aber er stelle auch fest, dass es „weniger öffentlichen Druck gibt als noch 2017“, als mehr Deutsche in türkischer U-Haft saßen. „Jetzt sollen sich die Beziehungen normalisieren und da sollen die Dinge mehr hinter den Kulissen passieren.“

Eine ganze Serie ähnlicher Fälle hatte ab 2017 die deutsch-türkischen Beziehungen schwer belastet. Viele prominente U-Häftlinge wie der „Welt“-Reporter Deniz Yücel oder die Übersetzerin Mesale Tolu sind seitdem freigekommen und durften ausreisen.