NRW

Wieder gemeinsam Lernen: Schulöffnung in dritter Welle

Bildung

Freitag, 12. März 2021 - 13:12 Uhr

von Von Yuriko Wahl-Immel und Volker Danisch, dpa

dpa/lnw Düsseldorf. Freitag, der 13. März 2020. Die Landesregierung beschließt, die Schulen wegen Corona zu schließen. Nach dem zweiten Lockdown soll nun wieder mehr im Klassenraum laufen - und das trotz der steigenden Infektionszahlen. Es gibt zahlreiche Baustellen an den Schulen.

Eine medizinische Maske liegt auf einer Schulmappe in einem Klassenzimmer. Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

Trotz steigender Infektionszahlen sollen ab kommenden Montag wieder alle Schüler in NRW zumindest tageweise in die Klassenräume zurückkehren. In den noch zwei Wochen bis zu den Osterferien ist für die landesweit rund 2,5 Millionen Schüler ein Wechselmodus aus Unterricht in der Schule und dem Lernen daheim vorgesehen. Zu den ersten Rückkehrern hatten vor knapp drei Wochen Grundschüler und Schüler der Abschlussklassen gehört. In den ersten Tagen nach dem langen Lockdown sollen jetzt nicht Tests und Klausuren im Mittelpunkt stehen, sondern das Miteinander. Darin sind sich Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) und Lehrer-Gewerkschaften einig.

LANDESWEITE ÖFFNUNG: Der Kreis Düren hat beim NRW-Schulministerium wegen der Infektionslage beantragt, von der weiteren Öffnung vorerst ausgenommen zu werden. Zwei weitere Wochen Distanzunterricht an den weiterführenden Schulen bis zu den Osterferien würden helfen. Die Landesschülervertretung kritisiert das Schulministerium, es sollte keine zentralen und automatisierten Schulöffnungen vorgeben. Vielmehr müsse das Infektionsgeschehen und die Situation im jeweiligen Kreis der Maßstab sein. Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) sieht dagegen keinen Anlass, die Schulen nicht zu öffnen. Tests für Lehrer und Schüler würden „eine Menge Sicherheit in den Unterricht“ bringen.

CORONA-TESTS: Die weiterführenden Schulen sollen ab Dienstag die ersten von rund 1,8 Millionen Schnelltests bis zu den Osterferien erhalten. Sie sind für Schüler vorgesehen. Dabei geht es um ein freiwilliges Testangebot pro Woche. Lehrer können sich bereits seit Mitte Januar zwei Mal pro Woche kostenlos testen lassen. Die GEW mahnt klare Richtlinien an. Lehrer kämen für das Durchführen der Schnelltests nicht in Frage. Ebenso gehörten die AHA-Regeln sowie kleinen und festen Lerngruppen zu den Bausteinen für Öffnungen, erklären auch Elternvertreter. Schülervertreter warnen vor einer Pseudo-Sicherheit durch Tests, die nicht alles abdecken könnten.

PERSONAL: Mit der Forderung nach mehr Personal stehen GEW und VBE nicht allein. „Warum Hygienehelfer in Kitas, aber in der Schulen nicht?“, fragt Anke Staar, Vorsitzende der Landeselternkonferenz. Auch Sozialarbeiter seien nötig. Lehrer müssten entlastet werden auch bei den Verwaltungsarbeiten, damit mehr Zeit für Förderung bleibt. „Was es jetzt braucht, ist Mut, Geld und Personal“, sagt Maike Finnern, GEW-Landeschefin. Sie fordert auch mehr Lehrer-Stellen. „Die nötigen Konsequenzen müssen jetzt für den Landeshaushalt 2022 erfolgen. Insbesondere die Personalgewinnung muss im Mittelpunkt stehen“, mahnt der VBE-Landesvorsitzende Stefan Behlau an.

DIGITALISIERUNG: „Wir haben erlebt, welche Mittel und Maßnahmen im Bereich der Digitalisierung auf einmal möglich waren, die jahrelang unmöglich erschienen“, erklärt Behlau. Jedoch müssten Lehrer nicht selten vom Präsenzunterricht in der Schule zu sich nach Hause für den Distanzunterricht fahren, weil zum Beispiel die Internet-Bandbreite in der Schule fehle. Die im Eiltempo erfolgte Digitalisierung sei mancherorts gut gelungen, anderenorts nicht, berichtet Staar. Die Ungleichheiten seien gewachsen. Gerade ältere Schüler seien gut klar gekommen, bei jüngeren fehle der Präsenzanteil. Gebauer betont, dass es ihr um Bildungserfolg und Bildungsgerechtigkeit für die Schüler gehe. „Das ist eine weitere wichtige Etappe auf dem Weg zu mehr schulischer Normalität“, sagte sie mit Blick auf den Montag.

UNTERRICHT: Es dürfe nicht darum gehen, Abschlüsse „durchzuboxen“, mahnt die Landesschülervertretung. Die seelische Gesundheit einiger Schüler habe in der Zeit der Isolation stark gelitten. Auch der VBE betont, das soziale Miteinander müsse im Mittelpunkt stehen. Laut Schulministerium soll für die Rückkehrer an den Schulen zunächst nicht die Leistungsüberprüfung im Mittelpunkt der ersten Tage stehen, sondern die Aufarbeitung der Erfahrungen der vergangenen Wochen, das Fortführen des Lernens und die Vorbereitung auf einen zunehmenden Präsenzunterricht nach den Osterferien. Die SPD-Opposition im Landtag fordert einen Bildungskrisenstab, der Handreichungen zu den Wechselmodellen festlegt. Die Unterschiede seien in der Praxis groß.

LÜFTER und weitere Maßnahmen für den INFEKTIONSSCHUTZ: Inzwischen weit verbreitet? „Nahezu Null“, sagt Staar auf die Frage nach technischen oder baulichen Verbesserungen. „Hauptsache lüften, ob bei Regen oder Kälte statt Filteranlagen.“ Sturzsicherheit und Heizkosten spielten keine Rolle mehr. Die Landesfördergelder für Lüfter seien wegen der Ausschreibungsbedingungen großteils nicht abgerufen worden. „Wir brauchen sie aber insbesondere in allen Grund- und Förderschulen überall da, wo Kindern das Tragen einer Masken nicht langfristig zuzumuten ist oder nicht machbar ist.“ Laut Städtetag NRW gibt es arge Engpässe am Markt. „Auf die Geräte müssen die Schulen zum Teil mehrere Monate warten“, sagt Geschäftsführer Helmut Dedy. Mobile Raumlüfter könnten das regelmäßige Lüften nicht ersetzen.

© dpa-infocom, dpa:210312-99-794972/2

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