Wisent-Projekt muss professioneller geführt werden

dpa/lnw Bad Berleburg. Ein Gutachten zur Zukunft Deutschlands einziger freilebender Wisent-Herde im Rothaargebirge hält eine Fortführung des Artenschutzprojektes nur mit einem großen internationalen Projektpartner für möglich. Es brauche ein besseres Herden- und Konfliktmanagement, außerdem müsse das Projekt intensiver wissenschaftlich begleitet werden als bislang, erläuterte Oliver Keuling vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung an der Tierärztlichen Hochschule Hannover am Mittwoch in Bad Berleburg bei der Vorstellung der Analyse.

Zudem brauche es eine auskömmliche Finanzierung von jährlich mindestens einer halben Million Euro - auch um die berechtigten Forderungen von Waldbesitzern auf Ausgleich ihrer Schäden sicherzustellen. Keuling unterstrich gleichzeitig den „großen Modell- und Vorbildcharakter“ des Wisentprojektes mit seinem großen Nutzen für den Arterhalt der bedrohten Landsäuger sowie für den Tourismus in der Region.

Das 176-seitige Gutachten soll Grundlage für die möglichst zeitnahe Entscheidung sein, ob und in welcher Form das von einem Trägerverein gestemmte Projekt fortgesetzt wird. Bad Berleburgs Bürgermeister Bernd Fuhrmann (parteilos) erklärte, man sei bereits mit der Deutschen Wildtier Stiftung und dem Kölner Zoo als potenziellen Partnern im Gespräch.

Der Streit um das Projekt dauert schon seit Jahren: Die seit ihrer Auswilderung 2013 auf 25 Tiere angewachsene Herde streift nicht wie erwartet nur durch das Rothaargebirge sondern auch durch das benachbarte Sauerland und nagt Baumrinden auf den Grundstücken dortiger Waldbesitzer ab. Mehrere Gerichte bis zu Bundesrichtern in Karlsruhe haben sich schon mit Schadenersatzklagen beschäftigt.

© dpa-infocom, dpa:211222-99-477797/2