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Foto mit nackten Migranten an Grenzfluss sorgt für Entsetzen

Sonntag, 16. Oktober 2022 - 13:12 Uhr

von dpa

© Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Griechenland und die Türkei haben sich gegenseitig die Schuld für einen Zwischenfall mit 92 nackten Migranten an der gemeinsamen Grenze zugeschoben. Die Regierung in Athen verurteilte am Sonntag erneut den Vorfall am Grenzfluss Evros.

Es sei ein „menschenverachtendes Bild“ gewesen, es handele sich um „barbarisches Verhalten, das ans Mittelalter erinnert“, sagte Bürgerschutzminister Takis Theodorikakos im Sender Skai. Nach Angaben griechischer Ministerien waren am Freitag 92 Migranten aufgegriffen worden, die von der Türkei aus nackt über den Grenzfluss nach Griechenland getrieben worden sein sollen. Der türkische Vize-Innenminister Ismail Catakli twitterte anschließend, die Nachricht sei erfunden.

„Verbringt eure Zeit mit der Einhaltung der Menschenrechte, nicht mit Manipulationen und Unehrlichkeit!“, schrieb Catakli am Samstagabend. Weil Griechenland keine einzige Menschenrechtsverletzung der Türkei finden könne, versuche man nun, die eigene Grausamkeit der Türkei unterzuschieben.

Foto mit nackten Migranten veröffentlicht

Griechische Behörden und Medien veröffentlichten ein Foto mit nackten Migranten. Einige der Menschen hätten berichtet, sie seien in drei Fahrzeugen der türkischen Behörden an den Fluss transportiert und dort in Schlauchboote gesetzt worden, um den Fluss zu überqueren. Manche sollen Verletzungen aufgewiesen haben, hieß es in einer Mitteilung der griechischen Polizei. Man habe die Migranten bekleidet und versorgt; sie sollen aus Afghanistan, Syrien und Pakistan stammen.

Laut Bürgerschutzministerium waren bei dem Vorfall auf griechischer Seite auch Beamte der EU-Grenzschutzagentur Frontex vor Ort. Von Frontex selbst gab es am Wochenende auf Nachfrage hin zunächst keine Bestätigung des Vorfalls. Die zuständigen EU-Behörden seien umfassend informiert worden, hieß es in Athen. Der griechische Migrationsminister Notis Mitarakis teilte mit, man erwarte, dass Ankara den Vorfall untersuche.

Athen will wegen der erhöhten Zahl illegaler Grenzübertritte von der Türkei aus die Grenze am Fluss Evros im Nordosten des Landes fast vollständig abriegeln. Die bestehenden 35 Kilometer Grenzzaun entlang des Flusses werden zurzeit um 80 Kilometer verlängert. Nicht nur am Evros, auch in der östlichen Ägäis hatten griechische Grenzer zuletzt einen deutlichen Anstieg der Flüchtlingszahlen verzeichnet.


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Die NRW-Grünen wollen nach eigenen Angaben eine neue Definition der Clan-Kriminalität schaffen, die ihrer Ansicht nach nicht stigmatisierend ist. Eine solche neue Definition solle sich einzig auf kriminelle Strukturen beziehen, „ohne Menschen pauschal zu verurteilen und unter Generalverdacht zu stellen“, sagte die innenpolitische Sprecherin der Grünen, Julia Höller, dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Mittwochsausgabe). Schlägereien und Straßenkämpfe sollen demnach nur dann im Lagebild zu Clan-Delikten auftauchen, wenn die Ermittler nachweisen, dass die organisierte Kriminalität dahinter stecke. „Ich gehe davon aus, dass sich das Innenministerium und das Justizministerium zeitnah über eine gemeinsame Definition austauschen“, sagte Höller.