Angehende Rettungssanitäter und Pflegekräfte können dort künftig in Simulationen klinische Notfall-Situationen nachstellen und unter realen Bedingungen Arbeitsabläufe einüben. An Puppen lernen sie spezifische Fertigkeiten („Skills“), die sie später in ihren Berufen an Patienten anwenden müssen.
Das Labor ist Teil des Health Education Campus Westmünsterland (HECW), das derzeit im Schatten des Bocholter Krankenhauses entsteht. Dort werden künftig Rettungs- und Notfallsanitäter, akademische Pflegekräfte oder Pädagogen in Gesundheitsberufen ausgebildet. Das eigentliche Campus-Gebäude soll in den nächsten Jahren auf einer Wiese im Neuen Zentrum Stenern an der neuen Klemens-Honsel-Straße entstehen. Das Skills Lab ist ein erster Teil dieses Campus und im ersten Geschoss der neuen Zentralschule für Gesundheitsberufe am Louis-Pasteur-Ring untergebracht.
Das Bocholter Skills Lab ist im Kreis Borken bisher einmalig. Es gilt für Studenten und Auszubildende in Gesundheitsberufen als „dritter Lernort“ neben der Schule und dem Krankenhaus. Hier üben sie an Puppen Szenarien ein, die sie früher an echten Patienten im normalen Krankenhaus-Betrieb probieren mussten.

Das Skills Lab besteht im Wesentlichen aus einem Simulationsraum, in dem Teams an mehreren Trainingsplätzen verschiedene Notfall-Szenarien einüben. Von einem Regie-Raum aus werden sie dabei von Fachpersonal beobachtet. Die Simulationen werden vorbesprochen, anschließend wird das Vorgehen des Teams analysiert.
Für die Ausstattung des Skills Lab haben die Stadt Bocholt und der Kreis Borken jeweils 125.000 Euro beigesteuert, 200.000 Euro flossen von der Stiftung St.-Agnes-Hospital. Stadt, Kreis und Krankenhaus sind im HECW genauso mit im Boot wie die Fachhochschule Münster und die Feuerwehr- und Rettungsakademie Bocholt.

Entsprechend viele Gäste waren am Freitag zur Eröffnungsfeier gekommen. Zu der sollte eigentlich auch NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann kommen, der allerdings kurzfristig absagen musste. Vertreten wurde er von Prof. Dr. Thomas Evers, Leiter der Gruppe Gesundheitsfachberufe im Gesundheitsministerium NRW. Evers lobte das Skills Lab als „innovativen Ort der Ausbildung“, mit dem auch im ländlichen Raum Berufe gefördert werden, die eine hohe gesellschaftliche Bedeutung haben.

Landrat Dr. Kai Zwicker erklärte, das Bocholter Skills Lab sei eine Lernstätte, „von der die ganze Region profitieren wird“ und sei Teil eines attraktiven akademischen Bildungsangebots im Kreis. Bürgermeister Thomas Kerkhoff wies auf die wichtige Rolle der Einrichtung hin, dem drohenden Fachkräftemangel im medizinischen Bereich begegnen zu können.
Ludger Seggewiss, Geschäftsführer der Stiftung St.-Agnes-Hospital Bocholt, erklärte: „Dieser Lernort ist einzigartig in unserer Region und füllt eine wichtige Lücke in der Ausbildung der Rettungs- und Notfallsanitäter, im pädagogischen Gesundheitswesen, in der akademisierten Pflege und langfristig auch in der ärztlichen Ausbildung.“